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Sonderveröffentlichung
03.04.2017

Aus für alte Öfen

Eigentlich sind alte Heizanlagen laut EnEV schon seit 2015 passé. Uwe Kluge erklärt, warum dennoch viele alte Anlagen in Betrieb sind.

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Auch wenn Ausnahmen möglich sind: Wer seine alte Heizung auf moderne Öl-Brennwerttechnik umrüstet, verbraucht weniger Energie.   Foto: IWO Institut für Wärme und Oeltechnik e.V.

DDas Thema bleibt aktuell: Seit Januar 2015 gelten für Feuerstätten laut Bundes-Immissionsschutzverordnung niedrigere Grenzwerte. Und bereits 2014 sollte mit der Verschärfung der Energieeinsparverordnung (EnEV) alten Heizanlagen der Garaus gemacht werden. Doch noch immer sind jede Menge „Oldies“ in Betrieb. Uwe Kluge von der Sächsischen Energieagentur-SAENA erklärt die Hintergründe: „Beide Verordnungen gelten für unterschiedliche Heizungen und benennen andere Austauschfristen.“ So gehe es bei der EnEV um Flüssigund Gasfeuerungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind. „Konkret: Heizkessel, die vor dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, dürfen seit 2015 nicht mehr betrieben werden.“ Da die meisten Hauseigentümer im Osten aber nach der Wende ohnehin auf moderne Anlagen umgestellt hätten, würde es nur wenige von ihnen betreffen. „Die noch aus DDRZeiten stammenden Heizungskessel, wie die Forster-Etagenheizung, die GKund K-Serien gibt es kaum noch.“ Außerdem halte ein Heizkessel kaum länger als 30 Jahre.

Während mit der EnEV die Gasund ölkessel unter die Grenzwert-Lupe genommen werden sowie die CO2-Bilanz von Wärmeerzeugern bewertet wird, schaut man mit der Bundes-Immissionsschutzverordnung auf Einzelfeuerungsanlagen, sprich öfen und Kamine – und auf deren Feinstaubbelastung. „Gemeint sind vor allem Allesfresser wie alte Kohlenheizkessel“, sagt Uwe Kluge und ergänzt: „solche, mit denen man auch Holz feuern, ja in die man fast alles reinwerfen kann.“ Die gebe es vor allen noch in ländlichen Regionen. Der neue „Staubwert“ liege nun bei 0,09 Gramm pro Kubikmeter, der Kohlenmonoxid-Grenzwert bei Anlagen bis 500 Kilowatt-Nennleistung bei ein Gramm pro Kubikmeter. Doch wer misst das? „Der Schornsteinfeger“, antwortet der SAENA-Fachmann. „Dieser ist auch verpflichtet, die Anlage zu sperren, wenn die Werte nicht eingehalten werden.“ Neben diesen Anforderungen ist es durch die Vorgaben der EnEV praktisch unmöglich, Kesselanlagen neu zu errichten, die Kohle als Brennstoff nutzen. Dies gilt ebenso, wenn der Besitzer einer bestehenden kohlebefeuerten Kesselanlage plant, diese auf Grund ihres Alters durch eine neue, wiederum Kohle verbrennende Heizkesselanlage zu ersetzen.

Die EnEV lässt hier nur eine Ausnahme zu. Uwe Kluge weiß, welche: „Hier greift der Paragraf 25 der EnEV, der so genannte Befreiungsparagraf“. Demnach haben die Behörden den Hauseigentümer von den Anforderungen der EnEV zu befreien, wenn dies für ihn zu einer unbilligen Härte führt. „Das ist keine Kann-Verordnung“, macht Uwe Kluge deutlich. „Die Behörden sind verpflichtet, den Antragsteller zu befreien, wenn die Umstände dafür sprechen.“