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sz-online.de - Sächsische Zeitung [online]
Sonderveröffentlichung
03.04.2017

Schön im Schatten

Eine riesige Eiche überdacht das kleine, große, grüne Paradies von Hannelore Krajak. Die unterschiedlichsten Hortensien blühen hier im Hochsommer um die Wette

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Der geschwungene Gartenweg führt vom Haus durch das kleine Grundstück und lässt es so größer wirken.
Ein lauer Luftzug, eine gemütliche Laubenbank, und vor allem: diese Blütenpracht in Rosa, Violett und Weiß. Hannelore Krajak liebt ihr kleines, blühendes Paradies. „Ich wohne im Garten“, sagt sie. Dank der riesigen, mehr als hundert Jahre alten Eiche auf ihrem nur 200 Quadratmeter großen Grundstück kann sie im Hochsommer, wenn die Julisonne vom Himmel prasselt, den kühlen Schatten genießen. Dabei hat sie doch am Anfang „alles falsch gemacht“, als sie vor mehr als 20 Jahren in das kleine Fachwerkhäuschen im Dresdner Stadtteil Kleinzschachwitz zog und das Grundstück erst einmal von Bauschutt und Unkraut befreit werden musste. „Bis auf die Eiche, einen Flieder und zwei große alte Pflaumenbäume gab es nichts“, erinnert sie sich. Und sie träumte, wie es wohl jeder Gartenanfänger kennt, ihre Träume: von einem zum Fachwerkhaus passenden Bauern-Staudengarten, später von einem Rosenparadies, von einem Kräuterbeet, einem Buchs-Knotengarten ... immer wieder jedoch musste sie feststellen: „Das geht nicht“ – die schattige Lage liegt eben nicht allen Pflanzen.

„Ich wolle keinen klassischen Garten mit Rasen in der Mitte, sondern einen der wie das Haus ist und dazu passt: eben klein und mit kleinen Zimmern“

Die Stauden und Rosen blühten nicht, die Kräuter gingen ein, den Knoten fraß der Buchsbaumzünsler auf. Aber Hannelore Krajak ließ sich nicht entmutigen. Sie hatte ihre Vorstellung im Kopf. „Ich wollte keinen klassischen Garten mit Rasen in der Mitte, sondern einen, der wie das Haus ist und dazu passt: eben klein und mit kleinen Zimmern.“ Geschwungene Wege, die an den Pflanzen vorbeiführen, hinter Kurven Verstecktes erahnen lassen, so sollte es werden. Sie probierte dieses und jenes, las sich durch Gartenmagazine und fachsimpelte mit Freundinnen, bis sie es schließlich mit den Hortensien versuchte. Und endlich: ein blühender Volltreffer. Diese schattenliebenden Pflanzen passten perfekt. Mittlerweile gedeihen bei Hannelore Krajak die verschiedensten Arten: von der Samthortensie über eine eichenblättrige Art, Bauernhortensien, mehrere Tellerhortensien mit ihren wunderschönen großen und kleinen Blüten bis zur sehr wuchsfreudigen Kletterhortensie, die ihr im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf zu wachsen droht: „Die muss man gut im Zaum halten und regelmäßig schneiden“
 
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Hannelore Krajak liebt ihre Hortensien, zum Beispiel die eichenblättrige (links) und die Fliederhortensie (rechts).
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Das Wasserbecken aus Beton bekam dank Moos Antik-Patina.
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Fotos: Iris Hellmann
Besonders auffällig sind die Blüten der Fliederhortensie: Sie ähneln denen des namensgebenden Strauchs verblüffend – und sorgen für Abwechslung im Blütenmeer. Die Farben übrigens variieren bei Hannelore Krajak von Jahr zu Jahr – je nachdem, was der Regen für Stoffe in den Boden wäscht. „Manche geben ja spezielle Mit-tel, damit die Hortensien ihre Farbe behalten. Ich lass mich da gern überraschen.“

Damit der Garten auch im Winter Struktur hat, pflanzte Hannelore Krajak einige immergrüne Elemente: Buchs, Lorbeer. Im früheren Kräuterbeet wachsen nun Purpurglöckchen, daneben mehrere Johannisbeersträucher. Rundherum hat die Gärtnerin schmale Säulenobstbäumchen gepflanzt. So ist selbst in diesem kleinen Grundstück eine üppige Kirschund Apfelernte möglich. Die gut tragenden alten Pflaumenbäume jedoch erklimmt sie nicht mehr – da reicht keine Leiter. Leider. So freuen sich die Vögel darüber, wie auch über die kleinen Früchte der Zieräpfel „Professor Sprenger“ und „Butterball“.
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Diverse Funkiensorten – viele davon Mitbringsel von Gartenreisen – gedeihen relativ schneckensicher in Kübeln und Töpfen. 
Neben den Hortensien fühlen sich auch verschiedene Funkien im Garten von Hannelore Krajak sehr wohl. Großblättrige ebenso wie kleinwüchsige Sorten, die sie von einer Gartenreise aus Österreich mitgebracht hat. „Die Funkien halte ich in Töpfen. So sind sie etwas besser vor den Schnecken geschützt.“ Die Vielfalt ist riesig, von dunkelgrünen, ins Blau gehenden Blättern bis zu grün-weiß panaschierten reicht die Palette. Weitere Elemente in ihrem Garten sind pflegeleichte Stauden wie die Elfenblume, Frauenmantel und Disteln. Letztere wirken von Weitem wie kleine Leuchten dank ihrer kugeligen Blüten mit den lila und außen silbrig schimmernden Spitzen, auf denen sich vor allem Hummeln tummeln.
Wenn Hannelore Krajak im Garten „wohnt“, sitzt sie meist in ihrer Laubenbank und liest ein Buch oder telefoniert, geschützt vor Wind, Nieselregen, und Sonne sowieso. Die Steine im Boden darunter sind alt, stammen aus der Loschwitzer Kirche. „Als damals der Fußboden erneuert wurde, waren die übrig, und ich fragte, ob ich einige haben dürfte. Jetzt liegen sie hier, als wären sie nie woanders gewesen.“ Den Charme der grün schimmernden Patina hat Hannelore Krajak auch an anderer Stelle in ihren Garten geholt. Eine Beton-Kugel über dem plätschernden Wasserbecken hat sie mit ein bisschen Joghurt bestrichen. So sammelten sich hier an dem feuchten Standort schnell Moose an und verwandelten die graue Kugel in ein antik wirkendes Schmuckstück. Auch mit ausgedienten Schneckenhäusern weiß Hannelore Krajak umzugehen: Sie werden auf Holzstäbchen in einen Rosmarintopf gesteckt und ragen so hübsch zwischen den grünen Zweigen empor.

In einem so kleinen Grundstück wie dem von Hannelore Krajak hat ein klassischer Komposthaufen kaum Platz. „Eine Nachbarin gab mir mal einen Tipp, den ich seitdem beherzige: Kompostierbare Küchenabfälle nehme ich in den Garten, grabe irgendwo zwischen den Beeten ein kleines Loch, gebe das dort hinein, wieder Erde drauf, und fertig. Dann kann das direkt in der Erde verrotten.“ Aber Achtung: Fleischund andere Essensreste gehören weder in den Kompost noch in die Erde. Gesammelt werden sollten nur: Blumen, Obstreste, Gemüse, Kartoffeln, Kaffee- und Teesatz, Eierschalen, Holzasche.

Holztechnik Lätzsch GmbH