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Sonderveröffentlichung

Patienten müssen für Zahnersatz tief in die Tasche greifen

In Sachsen fällt der Eigenanteil zwar noch vergleichsweise gering aus, doch auch hier lässt sich sparen. Wo, das zeigt die Bröschüre - Auf den Zanh gefühlt

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Foto: iStockphoto.com, © yodiyim
VON STEFFEN KLAMETH

Kranke Zähne können wehtun – und ganz schön ins Geld gehen. 904 Euro zahlten Versicherte durchschnittlich im Jahr 2014 für Zahnersatz aus eigener Tasche; dazu kamen noch einmal 677 Euro von den gesetzlichen Krankenkassen, wie aus dem aktuellen Zahnreport der Barmer GEK hervorgeht. Grundlage ist die bisher umfassendste Studie zu diesem Thema von Wissenschaftlern der TU Dresden. Im Jahr 2013 lag der Eigenanteil noch bei durchschnittlich 738 Euro, 2012 bei 724 Euro. Tatsächlich war der Eigenanteil der Patienten noch deutlich höher. Denn die kostenintensiven Implantate, die Versicherte allein bezahlen müssen, sind in der Rechnung nicht enthalten. „In Deutschland wird nirgendwo erfasst, wie viele Implantate gesetzt werden und was sie kosten“, sagt Professor Hans-Ludwig Graf, Leiter der Zahnpoliklinik am Uniklinikum Leipzig.

In Sachsen wurde im Jahr 2014 etwa jeder siebente Versicherte mit Zahnersatz versorgt. Dabei fiel deren Eigenanteil noch vergleichsweise günstig aus. Mit rund 637 Euro lag er deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Nur in Sachsen-Anhalt waren es noch einmal neun Euro weniger. Dagegen mussten Versicherte in Bayern durchschnittlich 1132 Euro für neuen oder reparierten Zahnersatz hinlegen. Der Eigenanteil der Patienten betrug damit fast das Doppelte des Kassenzuschusses.


Vier von fünf Patienten würden ihren Zahnarzt » unbedingt « weiterempfehlen.

Nach Ansicht von Sachsens Barmer-Chef Paul-Friedrich Loose bleibt Zahnersatz aber trotz der steigenden Kosten bezahlbar: „Die Festzuschüsse sind so bemessen, dass der Anteil der Krankenkasse im Regelfall etwa 50 Prozent der Gesamtkosten beträgt.“ Teurer wird es für die Versicherten dann, wenn sie sich gegen eine Regelversorgung entscheiden und beispielsweise höhere ästhetische Ansprüche stellen. Loose: „Allerdings ist zu hinterfragen, ob der Patientenwunsch immer der Auslöser für diese Wahl ist. Von der konkreten Versorgung hängt auch die zahnärztliche Vergütung ab.“

Die Auswertung von über 10.000 Patientenbewertungen auf dem Portal Weiße Liste hatte ergeben, dass sich fast jeder zehnte Patient zu kostenpflichtigen Zusatzleistungen gedrängt fühlte. Andererseits zeugte die Befragung auch von einem hohen Vertrauen zu den Zahnärzten. Vier von fünf Patienten würden ihren Zahnarzt „unbedingt“ weiterempfehlen. In Sachsen gibt es knapp 4000 Zahnärzte. Damit seien alle Regionen überversorgt, sagte der Sprecher der sächsischen Zahnärzte, Thomas Breyer, im Gespräch mit der Redaktion. Zugleich betont er, dass es kaum ein anderes Land gebe, in dem gesetzliche Kassen so viel für die zahnärztliche Versorgung ihrer Versicherten zahlen wie in Deutschland.