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Sonderveröffentlichung
31.05.2017

Infektionskrankheiten kehren zurück

Impfungen schützen nicht nur Kinder, auch Erwachsene sollten sich nachimmunisieren lassen.

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Impfstoffe werden normalerweise gut vertragen. Reaktionen wie etwa eine Schwellung und Rötung um die Einstichstelle herum oder ein leichtes Fieber sind harmlos. Foto: AOK-Mediendienst
Die Weltgesundheits-organisation (WHO) definierte im Jahr 2002 das Ziel, die Masern bis 2010 in Europa zu eliminieren. Als deutlich wurde, dass das nicht zu schaffen sein würde, wurde die Frist auf 2015 verschoben. Und auch diese ist mittlerweile verstrichen, und das Ziel nach wie vor nicht erreicht. Ganz im Gegenteil: Die Masern sind auf dem Vormarsch – mit steigender Tendenz. Insbesondere seit 2013 gibt es in sächsischen Städten immer wieder Fälle von Neuerkrankungen. „Um die Masern wirklich langfristig ausrotten zu können, muss eine sogenannte Durchimpfungsrate von 95 Prozent der Bevölkerung vorhanden sein“, sagt Dipl.-Med. Stefan Mertens, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Radebeul und Mitglied in der Sächsischen Impfkommission (SIKO). „Davon sind wir noch weit entfernt. In Sachsen liegt der Wert bei 92 Prozent.“

Gründe für die Impflücken gibt es gleich mehrere: Manche Eltern sind nicht gut informiert, die nächsten vergesslich oder nachlässig, weil sie das Thema nicht ernst genug nehmen, und wieder andere lehnen es ab, ihre Kinder impfen zu lassen. Hinzu kommen die allgemeine Globalisierung in der Welt sowie die Zuwanderung von Menschen aus Gegenden, in denen viele der Infektionskrankheiten noch weit verbreitet sind. Ist hierzulande dann der Impfstatus nicht ausreichend flächendeckend, haben Viren und Bakterien ein leichtes Spiel, immer wieder Wellen an Masern, Keuchhusten und anderen Infektionen loszutreten.

Anders als viele meinen, sind die Masern keine harmlose Kinderkrankheit
Masern sind eine extrem ansteckende Viruserkrankung

Dabei geht es den Ärzten, die sich für das Thema Impfen stark machen, nicht um Statistiken und Zahlenhascherei, sondern darum, den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. „Anders als viele meinen, sind die Masern keine harmlose Kinderkrankheit“, erklärt der Arzt. „Es handelt sich um eine schwerwiegende Viruserkrankung, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen treffen und die auch tödlich verlaufen kann.“ Außerdem beginnen Masern nicht, wie fälschlicherweise oft geglaubt wird, mit dem typischen roten Hautausschlag. Vielmehr ähneln die Anfangssymptome einem gewöhnlichen grippalen Infekt: Fieber, Halsschmerzen, Müdigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl. Das Fatale daran ist: Bereits in diesem zeitigen Stadium sind sie ansteckend – extrem ansteckend. Wer mit einem Masernerkrankten in Kontakt kommt, wird mit einer nahezu 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit selbst erkranken, wenn er nicht geimpft oder wegen einer durchgemachten Erkrankung immun ist. Oft folgen schwere Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen. Mitunter erst Jahre später kann dann auch die gefürchtete SSPE auftreten, eine gravierende, sich über Jahre hinziehende Gehirnentzündung, bei der in einem fortschreitenden Prozess das Gehirn zersetzt wird.

Gut zu wissen

Den sächsischen Impfkalender 2017 des Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz kann man sich bequem im Internet unter der Web-Adresse
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11665 herunterladen oder kostenfrei zuschicken lassen. Er enthält alle Impftermine für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Freistaat Sachsen sowie einen Taschenkalender mit hervorgehobenen unterrichtsfreien Tagen für 2017.

www.publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11665
Diese Erkrankung führt unweigerlich zum Tod. „Dabei reichen zwei kleine Impfungen, um sich für ein ganzes Leben gegen die Masern immun zu machen“, so Stefan Mertens. „Die sächsische Impfkommission empfiehlt die erste Impfung nach dem ersten Geburtstag, die zweite dann im 4. Lebensjahr,“ Aber auch Erwachsene sollten überprüfen, ob ihr Masernschutz ausreichend ist. In Sachsen gelten alle ab dem Jahrgang 1959 als „empfänglich“, wenn sie nicht zweimal geimpft sind oder nachweislich (Blutuntersuchung) die Erkrankung durchgemacht haben. „Wer sich unsicher ist, sollte sich impfen“, empfiehlt Stefan Mertens.

Auch der Keuchhusten ist wieder auf dem Vormarsch


Auch der Keuchhusten spielt mittlerweile wieder eine nicht unwesentliche Rolle, obwohl die Krankheit hierzulande schon mal als weitestgehend überwunden galt. „Zu DDR-Zeiten war der Keuchhusten quasi eine ‚Rarität‘, weil man ihm so gut wie nie im Praxisalltag begegnete“, so Stefan Mertens, der seit rund 30 Jahren als Arzt tätig ist. Nun geht die auch als Pertussis bezeichnete, durch Bakterien verursachte Erkrankung wieder um. Laut Robert- Koch-Institut hat die Zahl der Erkrankungsfälle im letzten Jahr einen neuen Höchststand seit Beginn der bundesweiten Meldepflicht erreicht.

Zu DDR-Zeiten war der Keuchhusten quasi eine „Rarität“, weil man ihm so gut wie nie im Praxisalltag begegnete
„Keuchhusten ist ebenfalls hochansteckend und kann insbesondere für sehr kleine Kinder gefährlich werden und einen tödlichen Ausgang nehmen. Denn durch die anfallsartigen nächtlichen Hustenattacken kann es zum Atemstillstand kommen“, erläutert der Kinderarzt.

Es sollte nicht nur darauf geachtet werden, dass die Kinder regulär nach Impfkalender geimpft sind. Auch Kontaktpersonen in der Umgebung des Kindes müssen einen ausreichenden Schutz haben. So empfiehlt unter anderem die sächsische Impfkommission, dass sich Schwangere zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche gegen Keuchhusten impfen lassen sollten, damit sie die Antikörper über die Plazenta an ihr Ungeborenes weitergeben können. Durch diesen „Nestschutz“ ist das Baby geschützt, bis es selbst die Immunisierungen erhalten kann. Insgesamt sechs Impfungen sieht der sächsische Impfkalender bis zum Erwachsenwerden vor. Danach heißt die Empfehlung: alle zehn Jahre eine Auffrischung in der Kombination Tetanus/ Diphterie/Keuchhusten und Kinderlähmung.

„Nur durch ein konsequentes Impfen gegen die bekannten Infektionskrankheiten kann man sich selbst vor einer Ansteckung sowie Erkrankung schützen und gleichzeitig die Übertragungskette und damit die Ausbreitung der Infektion unterbrechen“, unterstreicht Stefan Mertens. Dass dies funktioniert und schlussendlich zur kompletten Beseitigung einer Krankheit führt, zeigt das Beispiel der Pocken – sie sind weltweit ausgerottet, sodass gegen sie auch seit den 1980er Jahren nicht mehr geimpft wird. Sylvia Schmidt

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