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Sonderveröffentlichung
31.05.2017

Frozen Shoulder: Wenn Schmerzen die Schulter unbeweglich machen

OA Dr. med. Rocco Pöhlandt, Facharzt für Orthopädie am Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg gGmbH,
zu den Behandlungsmöglichkeiten der Schultersteife

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OA Dr. med. Rocco Pöhlandt, Facharzt für Orthopädie am Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg gGmbH Foto: Archiv MUH
Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Frozen Shoulder?

Eine Frozen Shoulder, „eingefrorenes Schultergelenk“, ist eine Schultersteife mit schmerzhafter, zunehmender Einschränkung der Beweglichkeit des Schultergelenkes in allen Bewegungsebenen. Zunächst betrifft das hauptsächlich die Außenrotation des Armes und dann zunehmend eine Einschränkung des Abspreizverhaltens der Vor- und Rückwärtsbewegungen sowie Innenrotationfähigkeit des Armes im Schultergelenk. Dieser Funktionsverlust wird als Einsteifung bzw. Einfrieren der Schulter beschrieben.

Was sind die Ursachen für die Erkrankung?

Bei der Schultersteife handelt es sich um eine chronisch entzündliche Veränderung mit Verdickung und Kontraktur der Gelenkkapsel des Schultergelenkes. Dadurch kommt es zu einer Reduktion des Gelenkvolumens mit Einschränkung der Bewegungsfähigkeit. Es wird häufig von einer Kapsulitis gesprochen, d. h. eine entzündliche Veränderung des Gelenkkapselgewebes. Die primäre Schultersteife wird von einer sekundären unterschieden. Die primäre Schultersteife als solche wird als Frozen shoulder definiert. Eine Ursache ist nicht bekannt, zeigt aber einen typischen Verlauf in drei Phasen, welche gekennzeichnet sind durch eine akute Schmerzsymptomatik und Zunahme der Funktionseinschränkung. Nach der akuten Phase ist die Schultersteife fixiert, sozusagen eingefroren, der Schmerz reduziert sich. In der 3. Phase nimmt die Gelenkbeweglichkeit in der Schulter wieder zu. Eine primäre Schultersteife ist eine häufige Begleiterkrankung beim Diabetes mellitus. Für die sekundäre Schultersteife ist eine Ursache zu definieren: häufig nach einem Trauma, aber auch nach operativen Eingriffen im Bereich des Schultergelenkes oder als Folge einer schon bestehenden Erkrankung im Schultergelenksbereich.

Mit welchen Beschwerden haben die Patienten zu kämpfen?

Der akut stärker werdende Schulterschmerz treibt den Patienten zum Arzt. Häufig ist eine punktuelle Schmerzangabe im Schultergelenk nicht möglich. Des Weiteren fällt eine schmerzbedingte Funktionseinschränkung im betreffenden Schultergelenk, insbesondere beim Außenrotieren sowie beim Abspreizen des Armes auf. Auch passiv ist das Schultergelenk dann nicht weiter zu bewegen. Kompensatorisch wird ein vermehrtes Abspreizen über das Auslenken des Schulterblattes erreicht. Der sogenannte scapulothorakale Rhythmus ist gestört.

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Foto: www.fotolia.com © emilijamanevska
Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Auswahl?

Die Therapie einer Schultersteife muss stadiengerecht erfolgen. Im akuten Schmerzstadium steht die alleinige Schmerztherapie im Vordergrund. Hier werden sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika oder auch Steroide in Tablettenform mit guten Erfolgsaussichten verordnet. Aber auch die Infiltration des Schultergelenkes in den sogenannten subacromialen Raum mit kristalloiden Prednisolonpräparaten helfen dem Patienten, die akute Schmerzsituation zu überwinden. Im weiteren Verlauf, bei rückläufigen Beschwerden ist die Schulter dann eingefroren. Die Schmerzsymptomatik bildet sich zurück. Ab diesem Stadium ist eine vorsichtige, schmerzadaptierte physiotherapeutische Nachbehandlung zunächst mit passiven Bewegungsübungen, ggf. Motorschiene, und aktiv assistiertem Belastungsaufbau möglich und sollte dosiert und unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Bei anhaltenden Beschwerden über einen Zeitraum von einem Jahr und erfolglosen konservativen Maßnahmen kann eine Indikation zur Gelenkmobilisation operativ in arthroskopischer Weise gestellt werden. Das operative Verfahren beinhaltet dann eine Gelenkkapselspaltung in einem größeren Umfang.

Wie sehen die Erfolgschancen aus?

Die Schultersteife ist eine Erkrankung mit selbstlimitierendem Verlauf, welcher jedoch einen langen Zeitraum umfassen kann. Krankheitsverläufe über ein Jahr sind möglich. Erfolgt die Therapie stadienadaptiert, ist eine komplette Ausheilung möglich und wird in einem großen Prozentsatz auch erreicht. Die Geduld des Patienten und des behandelnden Arztes wird aber häufig auf die Probe gestellt. Ein zu frühes Bewegen des Armes sowie eine Belastung über die Schmerzgrenze hinaus und auch eine zu zeitige operative Intervention führen meist zu einer erneuten Verschlechterung.

Die Fragen stellte Sylvia Schmidt