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Sonderveröffentlichung
31.05.2017

Sport bei Herzschwäche

Regelmäßiges Training führt zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden und zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit.

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Sport im Alter: Auch für ältere Menschen sind positive Effekte des Sports belegt und deshalb ausdrücklich zu empfehlen. Ratsam ist allerdings ein noch sanfterer Einstieg in das Trainingsprogramm. Weniger profitieren werden lediglich solche Menschen, die bereits weit 
fortgeschrittene Organveränderungen und Folgeschäden aufweisen. 
Foto: www.fotolia.com © Robert Kneschke
Körperliche Belastungen galten lange Zeit als Gift für einen geschädigten Herzmuskel und sollten deshalb vermieden werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse, untermauert durch viele Studien, haben zu einer Umkehr im Denken geführt: Körperliche Aktivitäten unterstützen die Bildung neuer Muskel-Vorläuferzellen und vervielfachen die Teilungsaktivität der Zellen und damit deren Fähigkeit zur Reparatur. Sport verbessert die Dehnbarkeit der Blutgefäße, die Dichte der feinen Blutgefäße nimmt messbar zu. Aktive Bewegung stoppt stoffwechselbedingte Abbauprozesse von Muskeleiweiß, die bei Herzschwäche in verstärktem Umfang vorhanden sind.

Gesammelte Daten von mehr als 3 000 Patienten zeigen, dass bei Patienten mit einer eingeschränkten Herzleistung nicht nur die maximale Sauerstoffaufnahme verbessert, sondern sogar eine teilweise Rückbildung der Herzerweiterung erreicht werden kann. Besonders positiv sind die Effekte bei Menschen, die an einer sogenannten „diastolischen“ Herzinsuffizienz leiden: Regelmäßiges Training führt hier zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden, einer Steigerung der Leistungsfähigkeit und einer Verbesserung der Druckverhältnisse im Herzen, während Medikamente bei dieser Erkrankung oft ohne nachweisbaren Effekt bleiben.

Korrektur von Risikofaktoren

Neben der unmittelbaren Verbesserung der Herzleistung reduziert regelmäßiger Sport das Risiko für Herz- und Gefäß-Erkrankungen und damit für eine Herzschwäche durch eine günstige Beeinflussung bekannter Risikofaktoren: Mehr als 100 Studiengruppen haben gezeigt, dass der systolische Blutdruck um 4-8mmHg und der diastolische Blutdruck um 3-5mmHg (also ebenso gut wie mit manchen Medikamenten) gesenkt werden können. Diese Effekte sind größer bei Patienten, die bereits erhöhte Blutdruckwerte aufweisen und stärker, wenn das Training intensiver betrieben wird. Ausdauertraining verbessert den Zuckerstoffwechsel und die Insulinwirkung. Bei Diabetikern können damit Medikamente reduziert, in Einzelfällen ganz eingespart werden. Durch den Verbrauch von Kalorien kann Übergewicht deutlich reduziert werden, insbesondere führt eine intensivierte Belastung zu einer Abnahme des Bauchumfangs und des besonders gefährlichen Bauchfett-Anteils. Ebenfalls günstig beeinflusst wird der Fettstoffwechsel mit einer Abnahme des Arteriosklerose- fördernden LDL-Cholesterins.

Wie beginnen?

Vor dem Beginn des Trainings sollte eine Untersuchung mit Bestimmung der Herzleistung und des Schweregrades der Herzschwäche stehen. Über die maximale Herzfrequenz (per Belastungstest oder Formel) sollte die Ziel-Herzfrequenz für moderates oder intensiviertes Training ermittelt werden. Insbesondere bei fortgeschrittener Herzerkrankung sollte das Training unter stationären Bedingungen oder innerhalb einer Herzgruppe begonnen werden.

Welches Training ist am besten?

Lange Zeit galt ein moderates Trainingsprogramm mit einer Zielfrequenz von circa 55% der maximalen Herzfrequenz als Standard. Kleine Studien aus den letzten Jahren haben allerdings gezeigt, dass ein intensiveres (Intervall-)Training mit etwa 75% der maximalen Leistung mit einem stärkeren Anstieg der Sauerstoffaufnahme und der Herzleistung einherging.

Unabhängig davon gibt es einen ganz praktischen Tipp: Die Belastung sollte immer so dosiert sein, dass man nicht vollständig außer Atem kommt und im Gespräch einen Satz zu Ende bringen kann. Besonders empfehlenswerte Sportarten sind damit Nordic Walking oder zügiges Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen und Skilanglaufen, idealerweise ergänzt durch ein dosiertes 1-2-maliges Krafttraining pro Woche. Wenn immer möglich, sollte das Training an 3-4 Tagen pro Woche über eine Dauer von 30-40 Minuten absolviert werden. Erfreulich für Menschen, die während der Woche keine Zeit für Sport haben, ist eine kleine Untersuchung aus England: Sie zeigt einen nahezu gleichwertigen Nutzen auch dann, wenn die sportliche Aktivität aus zwei intensiven Einheiten am Wochenende besteht.

Dr. med. Hans Neuser
Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie; Chefarzt der Klinik für Innere Medizin II
(Kardiologie/Pneumologie) am HELIOS Vogtland-Klinikum Plauen

Gut zu wissen

Maximale Herzfrequenz:
207-(0,7 x Lebensalter)

Trainingsherzfrequenz:
(max HF - Ruhe-HF) x 0,6 + Ruhe-HF (moderat)

(Karvonen-Formel):
(max HF - Ruhe-HF) x 0,75 + Ruhe-HF (intensiviert)