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Sonderveröffentlichung
03.06.2017

Achtung beim Jobwechsel

Wollen Mitarbeiter von ihrem alten Arbeitgeber weg und bewerben sich, stehen sie bald vor einer heiklen Situation.

Zwischen Kündigung und Jobende haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Freistellungfür Vorstellungsgespräche. Foto: fotolia.com © apops
Zwischen Kündigung und Jobende haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Freistellung
für Vorstellungsgespräche. Foto: fotolia.com © apops
Schauen Mitarbeiter sich nach einem neuen Arbeitgeber um, trennen sie sich im Idealfall vom alten im Guten. „Arbeitgeber telefonieren untereinander, wer in der alten Firma einen schlechten Abgang macht, kriegt dafür unter Umständen irgendwann die Quittung, weil ein neuer Arbeitgeber davon abgeschreckt ist“, sagt Hanne Bergen, Karriereberaterin aus Hamburg. Deshalb sollten Mitarbeiter viel dafür tun, dass es ein erfreuliches Ende gibt. Während der Zeit des Wegbewerbens gehen Arbeitnehmer am besten möglichst diskret vor.

Vorstellungsgespräche versuchen Mitarbeiter erst einmal vor oder nach die Arbeit zu legen, rät Bergen. Ist das nicht möglich, bleibt nur freizunehmen. Wer auf die Idee kommt, sich krankschreiben zu lassen, sollte sich klarmachen: Kommt das heraus, kann das zur Kündigung führen. Und das ist nicht nur dann ein gewaltiger Makel, wenn es mit dem Vorstellungsgespräch nicht klappt.

Auch bei der Kommunikation mit dem neuen, potenziellen Arbeitgeber sollten Arbeitnehmer sich eindeutig verhalten: „Das wird strikt nach der Arbeit und ausschließlich über die private E-Mail-Adresse gemacht“, sagt Bergen. Denn mit dem alten Arbeitgeber gibt es ebenfalls Ärger, wenn der herausfindet, dass man während der Arbeitszeit private Angelegenheiten wie Bewerbungen erledigt.

Nach einer Kündigung ist für Mitarbeiter übrigens gut zu wissen: Sie haben einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber sie zwischen Kündigung und Jobende für Vorstellungsgespräche freistellt. Das gelte unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer selbst gekündigt hat oder er gekündigt wurde, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg. Das ergebe sich aus Paragraf 629 Bürgerliches Gesetzbuch. Voraussetzung ist, dass das Verlangen auf Freistellung in einem angemessenen Umfang ist, erläutert Eckert, der auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins ist. Nicht gedeckt ist zum Beispiel, wenn jemand wochenlang wegen Vorstellungsgesprächen freihaben will. dpa


Balance statt Stress

Ein zwischen Arbeit und Freizeit ausgeglichenes Leben ist vielen Beschäftigten heutzutage wichtiger als ein möglichst hohes Einkommen.

Foto: Daxiao Productions © fotolia.com
Foto: Daxiao Productions © fotolia.com
Lieber ein bisschen weniger verdienen, dafür den Lohn auch genießen können – heutigen Arbeitnehmern ist die sogenannte Work-Life-Balance oft wichtiger als ein hohes Gehalt. Dies ist eines der Schlüsselerkenntnisse des aktuellen Reports „New Work“ der BWA Akademie („Consulting, Coaching, Careers“) dar. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 100 Personalexperten aus der deutschen Wirtschaft. Demnach nehmen 41 Prozent der Mitarbeiter Einbußen beim Gehalt in Kauf, wenn dafür die Work-Life-Balance stimmt. Weitere 43 Prozent würden einen Gehaltsverzicht zumindest in Erwägung ziehen, wenn ihnen das Work-Life-Angebot des Arbeitgebers attraktiv genug erscheint. Lediglich 17 Prozent ist das Geld auf jeden Fall wichtiger als die Freizeit. „Die Personalverantwortlichen in den Unternehmen sollten zunehmend berücksichtigen, dass für einen Großteil der Beschäftigten eine nur am Gehalt oder am Machteinfluss in der Firma entlang geplante Karriere immer weniger attraktiv ist“, erklärt BWA-Geschäftsführer Harald Müller.

Er erläutert: „Viele Firmen haben noch das Bild der Baby-Boomer vor Augen, für die es vor allem um den Balanceakt zwischen Beruf und Familie geht. Für die Generation X steht der Ausgleich zwischen Erwerbstätigkeit, Kindererziehung und Freizeit im Sinne abwechselnder Phasen im Vordergrund.

Die Generation Y hat hingegen ein völlig anderes Verständnis von Work- Life-Balance. Sie legt weniger Wert auf die strikte Trennung von Erwerbstätigkeit und Berufsleben, sondern zielt vor allem darauf, die eigene Zeit sinnvoll und nützlich zu verwenden. Es geht mithin weniger darum, den Beschäftigten mehr Freizeit einzuräumen, sondern vor allem darum, ihnen mehr Sinnhaftigkeit in ihrem Berufsleben zu geben.“ So kommen zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten in der BWA-Studie zu der Erkenntnis, dass es heutzutage gar keinen „Feierabend“ mehr gibt, zumindest im herkömmlichen Sinne, weil man immer und jederzeit für den Arbeitgeber, aber auch für Kollegen und oft auch Kunden erreichbar ist. Laut Umfrage schaltet nicht einmal ein Zehntel nach getaner Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes ab. dpa

Morent GmbH & Co. KG

Familie hier, Job da

Viele Fach- und Führungskräfte leisten sich Zweitwohnungen.

Die Zweitwohnung sollte gut per Auto und Bahn erreichbar sein. Foto: Marius Becker/dpa
Die Zweitwohnung sollte gut per Auto und Bahn erreichbar sein. Foto: Marius Becker/dpa
Montag bis Freitag Berlin. Eine Wohnung im In-Viertel. Freitag bis Montag Stuttgarter Umland. Ein Haus im Grünen. Zwei Welten.

Mehr als zwei Millionen Haushalte, so Experten, unterhalten in Deutschland dauerhaft mehr als einen Wohnsitz. Belastbare Zahlen gebe es zwar nicht, da lange nicht alle in Zweitwohnungsstatistiken auftauchten, sagt Raumforscher Rainer Danielzyk. In einigen Stadtteilen aber wie in Köln- Sülz oder der Leipziger Südvorstadt lebe jeder vierte Haushalt multilokal.

Früher hätten oft Monteure und Bauarbeiter an unterschiedlichen Orten gearbeitet. „Jetzt sind es zunehmend hoch spezialisierte Fach- und Führungskräfte“, sagt Stadtgeograf und Direktor des Berliner Moses Mendelssohn Instituts, Stefan Brauckmann. Der Anteil der Hochqualifizierten mit mehreren Lebensmittelpunkten steige. Einer DGB-Studie zufolge sind Wochenendpendler höher qualifiziert und verdienen besser als der Durchschnitt. Aber auch Menschen, die in ihrer Heimat keinen Job bekommen, pendeln. Besonders Eltern von schulpflichtigen Kindern gehen diesen Kompromiss ein. Darauf weisen auch Zahlen des Statistischen Bundesamts von 2013 hin. In nur 23 Prozent der Zweitwohnungs- Haushalte lebten demnach Alleinstehende. Singles seien eher bereit, ihre Wurzeln für den neuen Job zu kappen, sagt Brauckmann.

Häufig zieht es die Multilokalen zum Arbeiten in Großstädte. Berlin nutzt den Boom aus und hat gerade seine Zweitwohnungssteuer auf 15 Prozent verdreifacht. Auch, damit mehr Menschen hier Erstwohnungen anmelden und dem Land Steuereinnahmen bringen. Dabei sind die Ansprüche an eine Zweitandere als an die Hauptwohnung: zentral gelegen, mit Auto und Zug gut erreichbar. Vor allem aber muss sie ins Budget passen. Bei Berufstätigen in Berlin sind das einer Untersuchung zufolge monatlich im Schnitt knapp 900 Euro.

Wohngemeinschaften von Berufstätigen seien im Kommen, so Brauckmann. Zugleich boomen Angebote für möbliertes Wohnen auf Zeit. „Die starre Grenze zwischen Beherbergungsgewerbe und Wohnungswirtschaft verschwimmt immer mehr“, sagt der Geograf. Es bilde sich ein völlig neues Marktsegment für Vermietung zwischen einigen Monaten und zwei Jahren. Doch laut Brauckmann geht das zu langsam, das Angebot sei viel zu klein. Auch Wohnungsbaugesellschaften, so sagt Danielzyk, hätten Multilokale noch nicht als Markt entdeckt. Dafür aber große Konzerne. Sie stellen sogar günstige Firmenwohnungen zur Verfügung. So baute die Deutsche Bahn zuletzt in Frankfurt am Main eigene Wohnungsbestände für ihre Mitarbeiter auf. Vollmöblierte Apartments „exklusiv für Bahner“ mit flexiblen Mietdauern und „Rundum-Sorglos-Paket“. dpa

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