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Sonderveröffentlichung
07.12.2017

BILDGEBENDE VERFAHREN: Magnetresonanztomografie (MRT)

PD Dr. med. habil. Uwe Speiser, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden, zu den Einsatzmöglichkeiten und Vorteilen der modernen Diagnostik-Methode

Mit einer MRT kann man die verschiedensten Erkrankungen feststellen beziehungsweise ausschließen. Foto: www.istockphoto.com © arfosn
Mit einer MRT kann man die verschiedensten Erkrankungen feststellen beziehungsweise ausschließen. 
Foto: www.istockphoto.com © arfosn
Was bedeutet Magnetresonanztomografie, wie funktioniert das Verfahren?

Mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) können Schnittbilder des menschlichen Körpers in jedem beliebigem Winkel und jeder Richtung erzeugt werden. Dabei werden keine Röntgenstrahlen verwendet, sondern ein starkes Magnetfeld und Hochfrequenzwellen. Das Verfahren nutzt Wasserstoffatome, die in großer Anzahl auch im menschlichen Gewebe vorhanden sind. Jedes dieser Atome kann sich kreiselförmig um seine eigene Achse drehen. Diese Rotation wird als Kernspin bezeichnet und erzeugt um jeden Kern ein schwaches Magnetfeld. Daher wird die MRT auch Kernspintomografie oder kurz Kernspin genannt. Im Inneren des MRT-Gerätes herrscht ein starkes Magnetfeld, entlang dessen sich die Wasserstoffatome im Körper des Patienten parallel ausrichten. Dann werden von außen kurze Radiowellen- Impulse ausgesendet, die die Wasserstoffatome aus ihrer Position bringen, sodass sie sich neu ausrichten müssen. Dabei nehmen die Atome Energie auf. Wird der Impuls beendet, kehren sie in ihre ursprüngliche Stellung zurück und geben die Energie sowie Radiowellen wieder frei. Diese Signale werden von hochempfindlichen Systemen aufgezeichnet und per Computer in Bildinformationen umgerechnet.

Wozu dient eine MRT?

Mit einer MRT kann man die verschiedensten Erkrankungen feststellen beziehungsweise ausschließen. Da die MRT-Bilder äußerst fein und detailgenau sind, lassen sich insbesondere die Weichteilorgane sehr gut betrachten. Durch die kontrastreiche Gewebedarstellung kann der Arzt bereits kleine Veränderungen an Herz, Leber, Nieren, am Gehirn oder am Rückenmark feststellen. Auch Bandscheiben, Blutgefäße, Sehnen, Muskeln, Bänder, Gelenkweichteile wie Knorpel und Meniskus lassen sich sehr gut beurteilen. Eine Stärke der MRT liegt zudem in der Tumordiagnostik, um eventuell vorhandene Töchtergeschwülste zu finden und Operationen zu planen. Außerdem lässt sich kontrollieren, wie eine Krankheit verläuft und ob die bisherige Therapie die erwünschte Wirkung zeigt. Die Technik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass selbst vierdimensionale Aufnahmen – einschließlich einer zeitlichen Darstellung – möglich sind. Die Anwendungsgebiete der MRT in der Kardiologie sind sehr vielfältig. Beispielsweise kann die Funktion des Herzens untersucherunabhängig präzise dargestellt und vermessen werden. Darüber hinaus hilft die MRT Entzündungsprozesse oder Narben im Herzmuskel zu detektieren. Ebenso können mit der MRT Durchblutungsstörungen des Herzmuskels in Ruhe oder unter Belastung diagnostiziert werden, die dann gezielt mit einem Herzkatheter behandelt werden können. Die MRT ist eine hochspezialisierte Diagnostik-Methode, die immer eine Teamleistung ist. Denn sie erfordert nicht nur Erfahrung bei der Auswertung der Bilder seitens der Ärzte, sondern zugleich gut geschulte Medizinisch-Technische Assistenten, die das Gerät mit bedienen und den Patienten durch die Untersuchung begleiten.

PD Dr. med. habil. Uwe Speiser, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden Foto: Herzzentrum
PD Dr. med. habil. Uwe Speiser, Oberarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden 
Foto: Herzzentrum
Wie läuft eine Untersuchung ab?

Der Patient ruht auf einer Liege, die in die „Röhre“ hineingefahren wird. Wichtig ist, dass der Patient so entspannt wie möglich bleibt und sich nicht bewegt, um eine gute Bildqualität zu erhalten. Das Gerät erzeugt, während es arbeitet, klopfende Geräusche durch das Schalten der Magnetspulen, was viele Patienten als störend empfinden. Daher können sie Ohrstöpsel nutzen oder Kopfhörer aufsetzen und Musik hören. Über ein Sichtfenster und eine Sprechanlage sind die Radiologie-Assistenten immer mit dem Patienten verbunden. In manchen Fällen bitten sie ihn, für wenige Sekunden die Luft anzuhalten. Und für einige Untersuchungen müssen Kontrastmittel gespritzt werden. Diese sind in der Regel jedoch gut verträglich. Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Aber dies wird natürlich vorab mit dem Patienten abgeklärt.

Hat das Verfahren auch Nachteile oder Risiken?

Risiken, etwa durch eine Strahlenbelastung, gibt es bei einer MRT nicht, da sie, wie eingangs erwähnt, nicht mit Röntgenstrahlen arbeitet. Allerdings dauert eine Untersuchung je nach Körperregion im Durchschnitt 10 bis 30 Minuten, manchmal auch länger, und damit ist sie aufwendiger und zeitintensiver als andere bildgebende Verfahren. Daher kommt in Notfallsituationen oftmals die CT zum Einsatz, weil sie schneller erste Ergebnisse liefert. Einigen Patienten bereitet die Untersuchung insofern ein Problem, als dass sie in der langen und engen Röhre Platzangst bekommen. Hier können wir aber die Betroffenen mit Atem- und Entspannungsübungen sowie Musik beruhigen oder auch, wenn nötig, Medikamente geben.

Ganz wichtig ist es, im Vorfeld zu besprechen, ob der Patient Implantate oder Metallteile im Körper trägt. Während moderne Hüft- oder Knieprothesen meist kein Ausschlusskriterium für eine MRT sind, muss beispielsweise bei Innenohrimplantaten, Aneurysma-Clips, implantierten Schmerzmittel- und Insulinpumpen sowie bei Herzschrittmachern im Einzelfall kritisch geprüft werden, ob eine Untersuchung möglich ist. Falls ein Hinderungsgrund existiert, muss der Arzt nach Diagnostik-Alternativen suchen, denn die Sicherheit des Patienten geht vor. Sie hat oberste Priorität. Interview: Sylvia Schmidt