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sz-online.de - Sächsische Zeitung [online]
Sonderveröffentlichung
03.09.2017

Damit die Zähne im Alter noch richtig zubeißen können

Gute Mundhygiene lohnt – ein Leben lang! Und Zahnärzte suchen ihre Patienten auch zu Hause und im Pflegeheim auf.

Eine gute Mundhygiene hält die Zähne bis ins hohe Alter gesund. Foto: Initiative proDente e.V.
Eine gute Mundhygiene hält die Zähne bis ins hohe Alter gesund. Foto: Initiative proDente e.V.
Die gute Nachricht zuerst: Die Mundgesundheit älterer Menschen hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert. Sie besitzen heute immer länger und immer mehr eigene Zähne. Eine gute Mundhygiene, zwei Kontrolluntersuchungen pro Jahr beim Zahnarzt sowie die professionelle Zahnreinigung (PZR) haben Zähne und Zahnfleisch bis ins hohe Alter gesund gehalten. Dies geht aus der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) hervor.

Aber mit zunehmendem Alter fällt es vielen Senioren schwer, eine optimale Mundhygiene aufrechtzuerhalten. Denn die Augen sehen weniger scharf, sodass man im Spiegel nicht mehr so gut erkennt, ob alle Zahnbeläge beim Putzen beseitigt wurden. Die Feinmotorik der Hände lässt nach, und es wird schwieriger, die Bürste so zu dirigieren, dass wirklich jeder Zahn erreicht wird. Wenn dann noch Vergesslichkeit, Depression oder Demenzerkrankungen hinzukommen, kann die tägliche Zahn- und Mundpflege zum Problem werden. „Eine gute Mundhygiene darf jedoch auch im Alter nicht vernachlässigt werden“, sagt Dr. Thomas Breyer, Vizepräsident der Landeszahnärztekammer Sachsen und praktizierender Zahnarzt in Meißen. „Schmerzende Zähne, drückende Prothesen und sich ausbreitende Entzündungen des Zahnhalteapparates, eine Parodontitis, mindern nicht nur die Lebensqualität in erheblichem Maße. Die Mundgesundheit wirkt sich erwiesenermaßen auch auf die Allgemeingesundheit aus.“ So können Bakterien aus den Entzündungsherden im Zahn- und Mundbereich über den Blutkreislauf zu verschiedenen Organen des Körpers wandern, etwa zum Herz, zu den Nieren oder Gelenken, und dort Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie rheumatische Erkrankungen ungünstig beeinflussen. „Also ist der regelmäßige Zahnarztbesuch auch und erst recht für betagte Menschen wichtig, da sich im Alter zunehmend Allgemeinerkrankungen einstellen“, so Dr. Breyer.

Der mobile Zahnarzt

Wenn Senioren Zähne, Mund und Zahnersatz nicht mehr selbstständig pflegen können oder nicht mehr in der Lage sind, eigenständig einen Zahnarzttermin zu organisieren oder eine Praxis aufzusuchen, sind sie auf die Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal angewiesen. „Aber auch dann gibt es Möglichkeiten, zahnärztlich versorgt zu werden“, betont Dr. Breyer. Viele Pflegeeinrichtungen in Sachsen haben mit einem ortsansässigen Zahnarzt einen Kooperationsvertrag abgeschlossen; andere Heime arbeiten „einfach so“, ohne einen speziellen Vertrag, mit Zahnarztpraxen zusammen, und letztendlich kann sich jeder Bewohner einer Pflegeeinrichtung auch vom eigenen langjährigen Zahnarzt behandeln lassen. „Wenn wir bei einem Patienten im häuslichen Umfeld oder in einem Alters- und Pflegeheim sind, können wir natürlich nicht das gesamte Spektrum moderner Zahnmedizin zur Anwendung bringen“, sagt Dr. Breyer. „Aber wir können den Patienten untersuchen, über eventuell notwendige Behandlungen aufklären, konkrete Tipps zur Mundhygiene geben und einfache Behandlungen auch vor Ort vornehmen; etwa Zahnstein entfernen, Druckstellen versorgen, Prothesen reinigen und reparieren.

Hilfe und Anleitung

Außerdem leiten wir das Pflegepersonal an und beraten Angehörige zum Beispiel darüber, wie Zahnersatz richtig eingesetzt, wieder herausgenommen und gesäubert wird.“ Bei einem erhöhten Behandlungsbedarf ist der Allgemeinzustand des Patienten ausschlaggebend. Ist er mobil und kann bei der zahnärztlichen Behandlung aktiv mitmachen, können die Angehörigen oder das Pflegepersonal einen Besuch in der Zahnarztpraxis organisieren und den Patienten begleiten. Wenn dies nicht der Fall ist, können schmerzende Zähne oder Entzündungen auch stationär, gegebenenfalls unter Narkose, behandelt werden. „Ein Aufenthalt in einem Alters- oder Pflegeheim ist also kein Grund, die Mundhygiene zu vernachlässigen oder auf eine notwenige Zahnbehandlung verzichten zu müssen“, unterstreicht Dr. Breyer.

Sylvia Schmidt

Veranstaltungs-Tipp

Am 28. Oktober findet von 10 bis 13 Uhr die Patientenakademie im Zahnärztehaus, Schützenhöhe 11, Dresden, statt. Das Thema lautet: „Altern mit Biss – Zahnmedizinische Versorgung von Senioren“. Die Veranstaltung richtet sich an alle interessierten Besucher und ist kostenfrei.