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Sonderveröffentlichung
24.06.2017

„Das leidige Geschacher um Minuten entfällt“

Stefan Palmowski ist Autor eines Ratgebers zum Pflegegutachten. Vier wichtige Fragen an ihn.

Autor Stefan Palmowski. Foto: Verbraucherzentrale NRW
Autor Stefan Palmowski. 
Foto: Verbraucherzentrale NRW
Herr Palmowski, zum Jahresanfang sind die Pflegestärkungsgesetze in Kraft getreten. Was bedeutet das für das Pflegegutachten, das ja Grundlage für jede Leistung aus der Pflegekasse ist?

Die Definition von Pflegebedürftigkeit und damit auch das Verfahren zur Pflegebegutachtung haben sich grundlegend geändert. Es gibt nun fünf Pflegegrade anstelle von drei Pflegestufen, was zu einer bedarfsgerechteren Einstufung führen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch die Begutachtung grundsätzlich überarbeitet: Mussten die Gutachter bislang ermitteln, wie viel Unterstützung eine pflegebedürftige Person in Minuten benötigt, geht es nun darum, zu prüfen, in welchen Bereichen die Selbstständigkeit noch vorhanden oder eben eingeschränkt ist. Das leidige Geschacher um einzelne Minuten entfällt.

Was können Betroffene tun, um sich auf einen Gutachter-Termin vorzubereiten?

Betroffene und ihre Angehörigen können sich anhand unserer Checkliste am besten schon vor dem Besuch des Gutachters anschauen, was für den Pflegegrad wichtig ist und worauf der Gutachter achtet. Sie können so vorab eine eigene Einschätzung der persönlichen Situation vornehmen und sich Notizen zu Besonderheiten im Pflegealltag machen. Das sorgt dafür, dass man bei der Begutachtung nichts Wichtiges vergisst, und hilft dabei, mit dem Gutachter auf Augenhöhe zu sprechen.

Was ändert sich denn für die Zusammenarbeit mit der Pflegekasse?

Beispielsweise wurden die Fristen konkretisiert. Neu ist zum Beispiel, dass die Kasse schon bei Antragstellung einen konkreten Termin oder einen Gutschein für eine Pflegeberatung innerhalb der nächsten zwei Wochen ausgeben muss. Innerhalb von zwei Wochen muss begutachtet werden, wenn die Pflegeperson eine kurze berufliche Auszeit – die sogenannte Pflegezeit oder Familienpflegezeit – angekündigt hat. Im Normalfall muss die Pflegekasse spätestens nach fünf Wochen entschieden haben. Hält sie die Frist nicht ein, gibt es eine Entschädigung für die Betroffenen: immerhin 70 Euro für jede Woche Verzögerung, allerdings erst ab 2018, da 2017 eine Übergangsregelung gilt.

Wenn der Bescheid dann kommt – was können Betroffene tun, die mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind?

Der erste Schritt sollte ein fristwahrender Widerspruch an die Pflegekasse sein. Das geht ohne Anwalt und gibt Betroffenen die nötige Zeit, den Pflegebescheid und das zugrunde liegende Gutachten genau zu prüfen. Eine gute Vorbereitung und Dokumentation des Gutachterbesuchs können dabei helfen, Unstimmigkeiten und fehlende Details aufzudecken. Eventuell hat der Gutachter doch nicht alles so ins Gutachten aufgenommen, wie man zunächst gedacht hat, oder er hat wichtige Aspekte, die man ihm während der Begutachtung mitgeteilt hat, unter den Tisch fallen lassen. Je besser man dies nachvollziehen kann, umso genauer kann man einen Widerspruch begründen. Die Begründung des Widerspruchs schickt man dann ebenfalls an die Pflegekasse. Erst wenn dieser Widerspruch von der Pflegekasse schriftlich abgelehnt wurde, kann man vor dem Sozialgericht klagen. pm

Ein Lächeln an jedem Tag

Die Atrium Seniorentagesstätte feiert ihr zweijähriges Bestehen.

Foto: Atrium Seniorentagesstätte Schindler
Foto: Atrium Seniorentagesstätte Schindler
Bunte Schmetterlinge schwirren um die Blumen im Garten der Sinne, hinweg über den Barfußweg und schließlich über die Terrasse. Die Strahlen der Sommersonne fallen durch die großen Deckenfenster hinein in den Lichthof und tauchen die Marmorstatue in einen sanften Lichtschein. Was klingt wie ein Hotel an der Mittelmeerküste, ist in Wahrheit die Atrium - Seniorentagesstätte in Ludwigsdorf. Aber ein wenig ähnelt es schon einem Urlaub.

Hand in Hand

Im Atrium finden sich seit August 2015 Menschen ein, die ihren Tag lieber in guter Gesellschaft verbringen, als allein. Menschen, die ihren Alltag nicht mehr komplett eigenständig meistern können. „Oftmals sind die Angehörigen sehr engagiert“, weiß Inhaberin Barbara Schindler. „Sie pflegen und betreuen ihre Lieben in deren eigener Häuslichkeit, stoßen dabei an ihre Grenzen und brauchen eine Alternative.“ Die Tagespflege bietet genau das.

Am Morgen werden die Gäste direkt vor ihrer Haustür abgeholt. Danach wird gemeinsam gefrühstückt, ausgiebig, ganz in Ruhe und gerne auch mit netten Gesprächen. Insgesamt drei Mahlzeiten nehmen die Gäste zusammen ein. Gut gestärkt kann das vielseitige Beschäftigungsangebot beginnen. Zwar bereiten die freundlichen Mitarbeiter immer wieder neue Aktivitäten vor. Dennoch bleibt stets Raum für individuelle Wünsche. Lesen, backen oder auf der Terrasse entspannen – jeder kann das tun, was er gerne möchte. Während des gesamten Aufenthaltes werden die Gäste rundum von qualifiziertem Fachpersonal betreut. Nach einem ereignisreichen Tag geht es wieder nach Hause mit vielen Erinnerungen an die schöne Zeit mit alten und neuen Freunden und einem Lächeln.

Neue Regelungen und Möglichkeiten

Jeder Tag in der Tagespflege ist wie ein kleiner Urlaub. Dennoch muss dieser Service nicht viel kosten, wie Barbara Schindler bestätigt: „Die Tagespflege wird von den Pflegekassen finanziell unterstützt. Mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegestärkungsgesetzes profitieren davon nicht nur Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen Pflege benötigen. Auch jene mit Demenz, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen können nun einen Pflegegrad beantragen und haben somit das Recht auf Zuschüsse für Pflegemaßnahmen.“ Damit die vorhandenen Möglichkeiten der Kostendeckung voll ausgenutzt werden können, nimmt sich die Chefin persönlich Zeit und berät Interessenten an der Tagespflege ausführlich. Es gibt also keinen Grund, nicht vorbeizuschauen und sich einfangen zu lassen von dem besonderen Flair im Atrium.