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Sonderveröffentlichung
07.12.2017

Ein Hallux valgus kann sehr schmerzhaft sein

Dr. med. Mathias Hellmuth, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg, über die häufigste Fußfehlstellung und ihre Behandlung

Die Wölbung an der Innenseite des Fußes weist auf einen Hallux valgus hin. Außerdem wandert die große Zehe mit der Zeit in Richtung der mittleren Zehen. Grafik: www.istockphoto.com © solar22
Die Wölbung an der Innenseite des Fußes weist auf einen Hallux valgus hin. Außerdem wandert die große Zehe mit der Zeit in Richtung der mittleren Zehen. Grafik: www.istockphoto.com © solar22
Was ist ein Hallux valgus?

Der Begriff Hallux valgus bezeichnet eine Fehlstellung der Großzehe. Umgangssprachlich wird sie oftmals auch Ballenzeh oder einfach nur Ballen genannt. Dabei rückt der große Zeh langsam, aber sicher in Richtung der benachbarten mittleren Zehen. Sein Grundgelenk wird in die entgegengesetzte Richtung gedrückt und formt so eine sichtbare Wölbung an der Innenseite des Fußes. Diese Verschiebung tritt in unterschiedlich starken Ausprägungen auf. Das geht von einer kleinen Rundung an der Fußinnenseite bis hin zu einem großen Zeh, der sich über oder unter die anderen Zehen legt.

Wie kommt es zu dieser Zehenfehlstellung?

Ursache ist ein sogenannter Metatarsus primus varus. Hierbei kommt es zu einer Abweichung des 1. Mittelfußknochens (Os metatarsale 1) nach innen. Es entsteht ein Spreizfuß, der die Grunderkrankung darstellt, also die Voraussetzung, dass sich ein Hallux valgus ausbilden kann. Denn durch die Fehlstellung verlagern sich auch die Streck- und Beugesehne der Großzehe, wodurch diese immer weiter in die Fehlstellung gezogen wird.

Dr. med. Mathias Hellmuth, Facharzt f. Orthopädie/Unfallchirurgie am Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg Foto: Orthopädisches Zentrum
Dr. med. Mathias Hellmuth, Facharzt f. Orthopädie/Unfallchirurgie am Orthopädischen Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg 
Foto: Orthopädisches Zentrum
Auslöser gibt es verschiedene, und meist sind sie in Kombination an der Erkrankung beteiligt. Dazu gehören beispielsweise eine genetische Veranlagung, Übergewicht und häufiges sowie langes Stehen. Auch alle Faktoren, die sich ungünstig auf die Festigkeit des Bindegewebes auswirken, etwa eine Schwangerschaft, bestimmte Medikamente und Erkrankungen, begünstigen die Verformung der großen Zehe. Ebenso kommen Rheuma, aber auch das Tragen von unbequemem Schuhwerk dazu.

Sind daher ausschließlich Frauen betroffen, oder können auch Männer einen Hallux valgus bekommen?

Es sind zwar überwiegend Frauen betroffen, aber auch Männer können unter einem Hallux valgus leiden. Dass deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind, liegt unter anderem daran, dass Erstere von Natur aus ein schwächeres Bindegewebe besitzen. Dieses stützt dann die Bänder im Fuß nicht mehr ausreichend, und die Stabilität geht verloren, was sich zunächst in dem erwähnten Spreizfuß bemerkbar macht. Werden dann noch dauerhaft sehr hohe und enge Schuhe getragen, vergrößert sich der Druck auf den Fuß, und das Risiko, dass sich der große Zeh verschiebt, erhöht sich. Insofern tragen Schuhe ihr Quentchen bei, denn Naturvölker, die nach wie vor hauptsächlich barfuß laufen, kennen keinen Hallux valgus. Bei den High Heels sind es vor allem die vorn spitz zulaufenden Modelle, die sich ungünstig auswirken, da hier die Zehen regelrecht in eine Fehlstellung gedrückt werden. Das Schuhwerk ist jedoch nicht der alleinige Auslöser, denn es gibt Frauen, die jahrelang auf hohen Absätzen laufen und keinerlei Beschwerden bekommen, und andererseits Männer, die trotz flacher Schuhe mit der Verformung zu kämpfen haben.

Die Füße verwöhnen

Foto: AOK-Mediendienst
Foto: AOK-Mediendienst
So chic hohe Schuhe auch aussehen - sie belasten jedoch die Beine und die Füße. Und gerade Letztere leisten Schwerstarbeit. Sie bringen uns nicht nur täglich von A nach B, sondern regulieren mit rund 600 Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter auch unsere Körpertemperatur. Doch bei der Pflege sind sie derjenige Körperteil, der am häufigsten vernachlässigt wird. Daher sollte man ihnen ein regelmäßiges Verwöhnprogramm schenken. Um Blasen und Verhornungen vorzubeugen, ist regelmäßiges Eincremen besonders wichtig. Doch jede Pediküre beginnt zunächst mit einem Fußbad, bei dem unsere „Laufwerkzeuge“ für etwa 10 Minuten baden gehen dürfen. Ein Peeling reicht meist schon aus, um Hautschuppen und leichte Hornhaut zu entfernen. Wenn nicht, sorgen Hornhautfeile oder Bimsstein für weiche Füße. Bei Beschwerden wie Hühneraugen und Fuß- oder Nagelpilz gibt es ganze Produktlinien, die als Helfer infrage kommen: Geleinlagen für den Schuh schützen vor Reibung und Einschneiden und fördern die Wundheilung. Spezielle Hühneraugenpflaster, die Salicylsäure beinhalten, lösen die Verhornung schonend auf und ermöglichen aufgrund verschiedener Formen und Größen eine einfache und diskrete Anwendung. Auch Barfußlaufen, Massagen und Fußgymnastik sind eine wahre Wohltat bei schmerzenden Füßen! Danach fällt dann auch das Tragen hochhackiger Schuhe wieder leichter. (syl)
Welches sind die ersten Beschwerden?

Typische Symptome sind Druckbeschwerden im Schuh im Bereich der Großzehe innen, Schmerzen beim Laufen und ein Konflikt mit den benachbarten Zehen. Ein Hallux valgus kann von Patient zu Patient verschieden verlaufen. Manche leiden unter einer bereits ausgeprägten Form und kommen trotzdem gut zurecht, andere hingegen, bei denen der Hallux valgus sich noch im Anfangsstadium befindet, spüren die Verschiebung schon deutlich. Manche Menschen haben Schmerzen direkt an der großen Zehe, dort, wo der Mittelfußknochen unmittelbar unter der Haut liegt und der Schuh bei jedem Schritt reibt und drückt. Denn die Haut über der hervorstehenden Wölbung ist oft entzündet und druckempfindlich. Zum Teil sehr starke Schmerzen können aber auch an anderen Stellen auftreten, an den vier benachbarten Zehen genauso wie im gesamten Fuß.

Orthopädisches Zentrum Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg gGmbH

Wie wird die Diagnose erstellt?

Die Diagnose kann einfach anhand der typischen Fehlstellung als Blickdiagnose gestellt werden. Trotzdem erfolgt fast immer zusätzlich eine Röntgenuntersuchung, zum einen, um festzustellen, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, zum anderen für eine optimale Therapieplanung.

Welche Behandlungs-Optionen stehen denn zur Verfügung?

Eine ursächliche Therapie ist nur operativ möglich. Hierfür stehen verschiedene operative Verfahren zur Verfügung. Ziel ist es, die ursprüngliche Stellung des Großzehengrundgelenkes durch Korrektur der Fehlstellung des 1. Mittelfußknochens wiederherzustellen.

Der Hausarzt informiert

Foto: AOK-Mediendienst
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Grippeimpfung – jetzt & sicher!

Der Herbst ist wieder da und damit auch die Grippeperiode. Zeit auch für die Grippeimpfung! Viele Erwachsene denken: „Grippeimpfung? Hab ich doch noch nie gebraucht. Mit einer Erkältung werde ich fertig.“

Die Grippeviren sind weltweit verbreitet und können sich leicht verändern. Die jährliche Impfung ist die beste Möglichkeit, sich und andere gegen die Grippe zu schützen. Sie verringert das Risiko, überhaupt zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden.

In den letzten Jahren gab es viele Diskussionen um die Grippeimpfung. Verunsicherungen wegen Inhaltsstoffen, Herkunft, Schweinegrippe, Lieferengpässen und vielem mehr. Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung, die über die Impfstoffe entscheiden, welche ein Arzt bestellen und dann die Patienten behandeln darf, trugen wesentlich dazu bei. Die finanziellen und gesundheitlichen Lasten tragen aber nur die Patienten. Auch Impfungen werden mit ihren Krankenkassenbeiträgen finanziert. Bei einer grippalen Erkrankung sind die Arzneimittel nicht zu Lasten der Krankenkasse verordnungsfähig und müssen vom Patienten selbst bezahlt werden.

Harmlose bis schwere Krankheitsverläufe

Die Influenza-Impfraten in Deutschland waren in den letzten Jahren wesentlich niedriger und nicht gerade an der Spitze im europäischen Vergleich. In der letzten Grippesaison 2016/2017 gab es den seit zehn Jahren zweithöchsten Ansturm von Grippekranken auf die Artpraxen. In jedem Alter sind harmlose bis lebensbedrohliche Krankheitsverläufe möglich. Die schweren Verläufe nehmen mit fortschreitendem Alter zu. Jeder erfahrene Arzt weiß, dass Kindereinrichtungen (Krippen, Kindergärten, Schulen, Sportveranstaltungen und andere) die „Brutstätten der Influenza“ sind, von denen sich diese dann epidemieartig ausbreitet. Die höchste Erkrankungsanzahl der Virusgrippe wird im Kindesalter beobachtet, und dort muss die Impfprophylaxe beginnen. Die Sächsische Impfkommission hat deshalb die Impfung gegen Influenza für alle Kinder ab dem vollendeten 6. Monat, Jugendliche und Erwachsene empfohlen!

Grippe fragt nicht nach dem Alter

Und nur dies allein ist vernünftig, denn die Grippe fragt nicht nach dem Alter! Die WHO und der Europarat fordern Impfraten von 75 Prozent. Leider lassen sich in Deutschland von den chronisch Kranken nur etwa 40 Prozent gegen Grippe impfen, bei den über 60-Jährigen sind es nur etwa 50 Prozent. Auch Personen außerhalb der Risikogruppen können sehr schwer an einer Influenza erkranken. Zudem wird Schwangeren eine Impfung empfohlen. Denn auch sie haben ein erhöhtes Risiko für Krankenhauseinweisungen bei einer Grippe. Die Impfung hat dabei eine doppelte Wirkung: Auch das Kind profitiert während der Grippesaison vom Impfschutz der Mutter. Darüber hinaus ist es auch für andere Erwachsene sinnvoll, sich gegen Grippe impfen zu lassen. So zum Beispiel für alle in medizinischen, pflegerischen Berufen tätigen Personen, in öffentlichen Einrichtungen und Berufen mit ständigem Kundenkontakt. Zeigen Sie Verantwortung für sich selbst, Ihre Familie, Ihre Kollegen und Ihr Umfeld – gehen Sie zur Grippeimpfung: jetzt!

Dr. med. Franziska Pecher-Werner Fachärztin für Allgemeinmedizin Sächsischer Hausärzteverband

Alternativ ist eine symptomatische Therapie durch Einlagenversorgung, Schienen, Silikoneinlagen für Zehenzwischenräume, Silikonringe für die Zehen und spezielle Schuhe mit breiter Zehenkappe, weichem Obermaterial und fehlenden Nähten an druckempfindlichen Stellen möglich. Diese konservativen Methoden bringen zwar den Großzeh nicht an seine korrekte Position zurück, aber sie wirken druckentlastend und schmerzlindernd.

Wenn der Großzeh jedoch bereits extrem verformt ist, die Schmerzen sehr heftig sind und der Patient nicht mehr richtig laufen kann, dann ist eine Operation die einzige Option zur Korrektur. Bei dem Eingriff wird der Zeh wieder begradigt, dadurch bessern sich Beschwerden in den meisten Fällen deutlich. Allerdings zieht eine solche Operation eine lange Genesungsphase nach sich, denn der Fuß braucht viel Zeit zur Heilung. Der Eingriff kann durchaus ambulant vorgenommen werden, empfehlenswert ist aber, wenigstens für eine Nacht zur postoperativen Schmerzversorgung in der Klinik zu bleiben. Interview: Sylvia Schmidt

Praxis für Osteopathie, Kernspintherapie & Physiotherapie Roland Opel