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Sonderveröffentlichung
07.12.2017

Geschlechtskrankheiten auf dem Vormarsch

„Let’s talk about sex, baby“ … Auch wenn Sex ständig ein Thema in der Öffentlichkeit ist, sind sexuell übertragbare Erkrankungen ein schambehafteter Aspekt, über den mit Partnern, Freunden oder mit Ärzten kaum gesprochen wird.

Foto: www.istockphoto.com © someone25
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In der öffentlichen Wahrnehmung werden sexuell übertragbare Erkrankungen häufig sehr einseitig als Krankheiten von homosexuellen oder „unmoralischen“ Menschen gesehen oder als „Relikte vergangener Zeiten“ betrachtet. Teilweise werden historische Persönlichkeiten vergangener Jahrhunderte, wie zum Beispiel der Schriftsteller und Dichter Heinrich Heine, damit in Verbindung gebracht. Diese einseitigen Betrachtungen führen zu einer Unterschätzung des Ansteckungsrisikos in der Gesamtbevölkerung.

Schwerwiegende Folgen

Geschlechtskrankheiten sind auch heutzutage keine Seltenheit und kommen in allen Bevölkerungsgruppen vor. Auch wenn die HIV-Neuinfektionsraten in Deutschland seit 2005 nicht mehr gewachsen sind, steigt die Zahl von Patienten, die sich mit anderen Geschlechtskrankheiten, beispielsweise Chlamydien, Syphillis oder Gonorrhö (auch Tripper genannt), anstecken. Weitere häufige Geschlechtskrankheiten sind: Genitalherpes, Feig- und Dellwarzen, Hepatitis A und B, Pilzinfektionen und Filzläuse.

Sexuell übertragbare Erkrankungen verursachen vielfältige Gesundheitsprobleme und können unbehandelt schwere Komplikationen zur Folge haben: etwa Unfruchtbarkeit bei Frauen (durch Chlamydien) oder Tumore an Gebärmutter, Penis oder im Mund-Rachen-Bereich (durch HPV). Bei früher Erkennung und Behandlung sind diese schweren Gesundheitsfolgen jedoch vermeidbar.

Verschiedene Ansteckungswege

Die Erreger von Geschlechtskrankheiten befinden sich in den Schleimhäuten von Scheide, Penis oder Po und können beim Sex (Anal-/Vaginal-/Oralverkehr) übertragen werden. Auch Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit können diese Krankheitserreger enthalten und zwischen Partnern (auch bei gemeinsamer Nutzung von Sexspielzeug) übertragen werden.

Wirksame Schutzmöglichkeiten

Die konsequente Verwendung von Kondomen bei jeglicher Sexualpraktik (auch beim sogenannten Vorspiel) zählt zu den effektivsten Schutzmaßnahmen, die das Ansteckungsrisiko deutlich verringern. Zum Schutz beim Oralsex bei der Frau können Lecktücher (Dental Dam genannt) angewendet werden. Um sich vor Hepatitis A, Hepatitis B oder HPV zu schützen, kann man sich zusätzlich impfen lassen. Der einzige 100%ige Schutz besteht jedoch in sexueller Enthaltsamkeit. Bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Infektion sollte man sich vorerst beraten und behandeln lassen und mit dem Sex pausieren, bis keine Ansteckungsgefahr mehr besteht, um die Übertragung der Erkrankung auf weitere Sexualpartner zu verhindern. Vor ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit neuem Partner können beide Partner beim Gesundheitsamt kostenlose Testungen auf Geschlechtskrankheiten durchführen lassen.

Anzeichen für eine Erkrankung

Die meisten Geschlechtskrankheiten werden im Anfangsstadium zunächst von Infizierten nicht wahrgenommen, können jedoch bereits weiter auf andere Menschen übertragen werden. Typische Beschwerden, die nach Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit auftreten können, sind ungewöhnlicher Ausfluss aus Penis, Scheide oder Po, Juckreiz und/oder Brennen im Genital- und Analbereich, Schmerzen beim Wasserlassen oder Hautveränderungen wie Bläschen, Warzen oder Geschwüre. Treten bei einem der Sexualpartner Beschwerden auf, sollten alle Sexualpartner eine ärztliche Untersuchung durchführen lassen.

Geschlechtskrankheiten sind auch heutzutage keine Seltenheit und kommen in allen Bevölkerungsgruppen vor

An wen kann ich mich wenden?

Die Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit sollte keine Grund sein, sich zu schämen. Wenn Beschwerden auftreten oder Bedenken bezüglich einer Ansteckung bestehen, gibt es verschiedene Anlaufstellen, die Beratung, Untersuchung und Behandlung anbieten: etwa Hautärzte, Frauenärzte, Urologen, Hausärzte oder auch Beratungsstellen des Gesundheitsamtes oder der Deutschen Aidshilfe e.V. Als erste Beratungsmöglichkeit kann ebenso die etwas anonymere Telefon- oder Onlineberatung (z.B. der Deutschen Aidshilfe e.V., Tel.: 0180 33 19 411, online: www.aidshilfe-beratung.de oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Tel.: 0221-892031, E-Mail: telefonberatung@bzga.de) genutzt werden.

Behandlungsoptionen

Viele Geschlechtskrankheiten sind im Frühstadium gut behandelbar. Je nach Erreger kommen verschiedene Wirkstoffe zur Anwendung, die als Salben, Tabletten oder Zäpfchen verordnet werden. Bei manchen fortgeschrittenen Geschlechtskrankheiten ist auch eine intravenöse Behandlung im Krankenhaus notwendig. Die Dauer der Behandlung hängt vom Erreger und dem Krankheitsstadium ab und wird vom behandelnden Arzt festgelegt.

Jeannine Schübel, Hausärztin
Dr. Dipl.-Soz. Karen Voigt,
Master of Public Health (MPH)
Henna Riemenschneider,
MA, Master of Public Health (MPH)
Bereich Allgemeinmedizin, Medizinische
Klinik und Poliklinik III, Universitätsklinikum
Carl Gustav Carus an der
TU Dresden


www.aidshilfe-beratung.de