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Sonderveröffentlichung
07.12.2017

Individualisierte Therapiekonzepte bei gynäkologischen Krebserkrankungen

Zu den häufigsten Krebserkrankungen der inneren Geschlechtsorgane bei Frauen zählen Gebärmutterkörperkrebs, Eierstockkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Mit seiner Schwerpunktbezeichnung „Gynäkologische Onkologie“ ist Dr. Stefan Ollig Experte auf dem Gebiet gynäkologischer Krebserkrankungen. Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am Diakonissenkrankenhaus Dresden erläutert, was eine Diagnose für die Patientin bedeutet und welche Behandlungsoptionen es gibt.

Häufigkeit und Diagnose gynäkologischer Krebserkrankungen

Laut Deutscher Krebsgesellschaft erkranken jedes Jahr etwa 11.100 Frauen an Gebärmutterkörperkrebs, 7.800 an Eierstockkrebs und 4.600 an Gebärmutterhalskrebs. Das persönliche Risiko hängt meist von mehreren, nicht immer fassbaren Faktoren ab. Besteht der Verdacht auf eine erbliche Veranlagung, kann zusätzlich zur klinischen Untersuchung, bildgebenden Diagnostik und weiteren spezifischen Untersuchungsverfahren eine genetische Diagnostik eingeleitet werden. In diesem Fall berät der gynäkologische Onkologe Patientinnen auf Basis der Untersuchungsergebnisse zu möglichen Behandlungsstrategien und Vorsorgekonzepten.

Frühe Anzeichen einer Krebserkrankung im Unterleib können unter anderem Veränderungen von Dauer und Stärke der Regelblutung, wiedereinsetzende Blutungen nach der Menopause oder auffällige Krebsvorsorgeabstriche beim Frauenarzt sein. Um schnell Klarheit zu bekommen, stellen sich unsere Patientinnen in den Spezialsprechstunden vor, in denen wir gezielt die weitere Diagnostik einleiten. Besonderen Wert legen wir dabei auf die verständliche Aufklärung und Beratung.

Individualisierte und interdisziplinäre Therapie

Die Behandlung gynäkologischer Krebserkrankungen hängt davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, ob sie sich bereits im Bauchraum ausgebreitet hat und ob weitere Organe betroffen sind. Wird die Erkrankung im Frühstadium entdeckt, sind die Heilungschancen sehr gut.

Die Behandlungskonzepte werden zunehmend personalisierter und fachübergreifend. Im Rahmen regelmäßiger Fallkonferenzen besprechen Spezialisten unterschiedlicher Fachdisziplinen gemeinsam alle gynäkologischen Tumorbefunde. So wird für jede Patientin jeweils die beste Therapie individuell zugeschnitten und umgesetzt. Im Diakonissenkrankenhaus profitieren Patientinnen zusätzlich vom breiten Spektrum aller Fachabteilungen, einem seit Jahren etablierten Bauchzentrum sowie den Kooperationen und Vernetzungen mit ambulanten Kollegen.

Wenn eine Operation erforderlich ist, stehen heute hoch spezialisierte und minimalinvasive Behandlungsmethoden zur Verfügung. Mittels Hochfrequenz-Chirurgie (Durchtrennung von Gewebe mittels Wechselstrom), hochauflösender Video-Optiken und millimeterkurzen Schnitten erreichen wir im Vergleich zu großen Bauchschnitten die gleiche oder sogar eine höhere Behandlungsqualität bei gleichzeitig geringerer Belastung für den Körper. Dies wirkt sich sehr positiv auf die Genesung aus. Der größere Bauchschnitt ist nur noch in speziellen Situationen nötig: Bei weit fortgeschrittenen Befunden und grundsätzlich beim Eierstockkrebs ist dies auch heute noch der obligate Zugangsweg, um optimale Behandlungsergebnisse und damit die bestmögliche Prognose für die Patientin zu erzielen.

Ganzheitliche Anschlussbehandlungen

Die Art und der Umfang der Anschlussbehandlung werden durch den Tumortyp und dessen Tumor-Biologie bestimmt. Chemotherapie, zielgerichtete Therapieformen und Bestrahlung können einzeln, sequenziell oder in Kombinationen erfolgen. Bei gleichwertigen Behandlungsoptionen geben wir derjenigen Behandlung den Vorzug, die die Lebensqualität am wenigsten einschränkt.

Neben der körperlichen Belastung hinterlässt die Diagnose Krebs oft auch seelische Spuren. Die Unterstützung durch Psychoonkologen, Seelsorger, Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Sozialdienst, Schmerztherapeuten bis hin zu naturheilkundlich versierten Kollegen runden unser ganzheitliches Behandlungskonzept ab.

Zur Person:

Dr. Stefan Ollig ist Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Leiter
des Brustkrebszentrums am Diakonissenkrankenhaus Dresden


Schwerpunktbezeichnung:
Gynäkologische Onkologie

Zusatzqualifikationen:
AGE-Zertifikat minimalinvasives endoskopisches Operieren MIC II
Fachgebundene Genetische Beratung
Senior-Mammaoperateur
(OnkoZert/Deutsche Krebsgesellschaft)
Mammasonographie DEGUM I
Sach- und Fachkunde Lasermedizin
Beratungsstelle der Deutschen Kontinenzgesellschaft

Schwerpunkte:
Gynäkologische Onkologie
Minimalinvasive Operationsverfahren
Urogynäkologie