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Sonderveröffentlichung
07.12.2017

Kariesprophylaxe bei bleibenden Zähnen

Eine im letzten Herbst ausgearbeitete Leitlinie gibt Empfehlungen, wie die Zähne lange gesund erhalten werden können.

Foto: proDente e.V.
Foto: proDente e.V.
Zweimal täglich Zähneputzen und regelmäßige Zahnarztbesuche – am besten zweimal pro Jahr – sind Binsenweisheiten, die eigentlicher jeder kennen müsste. Eigentlich. Die Praxis sieht allerdings anders aus. Karies ist hierzulande nach wie vor Volkskrankheit Nummer eins: Fast jeder Erwachsene und immer noch viele Jugendliche sind betroffen. Unter anderem auch aus diesem Grund entstand im letzten Herbst unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) die erste Leitlinie zur Kariesprophylaxe mit sieben Kernempfehlungen.

Fluoridieren ist wichtig – und richtig

„Auch wenn diese Leitlinie aus zahnärztlicher Sicht keine revolutionären Neuigkeiten enthält, ist sie dennoch ein wertvolles Instrument“, sagt Zahnärztin Isabell Schulze aus Groß Särchen bei Bautzen. „Denn sie stellt erstmals einen einheitlichen, von Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen erarbeiteten Konsens dar und gibt Anregungen – nicht nur für Zahnärzte, sondern auch für Kollegen aus anderen Fachbereichen wie etwa Kinderärzte, für Erzieher in Kitas, für Pädagogen; kurzum: für alle, die in der Kariesprophylaxe aktiv sind.“

Für Diskussionen beispielsweise sorgt seit Langem der Punkt, ob und welche Anwendung von Fluorid sinnvoll ist. Kinderärzte und Zahnärzte unterstützen in Sachsen die Fluoridgabe - entweder mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta oder in Tablettenform. „Fluorid ist ein wirksames Spurenelement und wirkt kariesvorbeugend. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen“, unterstreicht Isabell Schulze. Selbstverständlich sei wie bei jedem anderen Element auch die eingesetzte Menge immer mit ausschlaggebend. Aber für besorgte Patienten ist sicher folgender Vergleich nachvollziehbar: Ein Kind müsste den Inhalt einer kompletten Tube Zahnpasta „essen“, um an die unterste Grenze der Giftigkeit zu gelangen. Und wer macht das schon?

„Die tägliche Anwendung einer fluoridhaltigen Zahnpasta gehört zu den wirkungsvollsten Maßnahmen, um Karies vorzubeugen. Damit kann man eine bis zu 40-prozentige Kariesverhinderung erzielen“, so die Zahnärztin. Außerdem kann jeder seinen Zähnen Gutes tun, indem er im Haushalt fluoridhaltiges Speisesalz nutzt. Die Kariesprophylaxe in der Zahnarztpraxis geht natürlich darüber hinaus. Während der Fluoridgehalt von allen handelsüblichen Zahncremes nahezu identisch ist, kann der Arzt beispielsweise Patienten mit einer aktiven Wurzelkaries Zahnpasten mit erhöhter Fluoridkonzentration empfehlen. Zudem kommen fluoridhaltige Lacke, Gele oder Spüllösungen infrage.

Zucker weitestgehend meiden oder reduzieren

Ein zweiter wichtiger Aspekt in der Kariesprophylaxe ist, mit Zucker so sparsam wie möglich umzugehen. „Dabei spielt nicht nur die Menge der süßen Nahrungsmittel und Getränke eine Rolle, sondern auch die Frequenz, also wie oft man diese konsumiert“, erklärt Isabell Schulze. „Und Achtung: Es gibt viele Lebensmittel, die auf den ersten Blick gar nicht süß erscheinen und trotzdem reichlich Zucker enthalten. Ein Blick auf die Zutatenliste auf der Verpackung lohnt sich also immer.“ Denn Karies kann nur entstehen, wenn die Bakterien im Mundraum ausreichend Zucker vorfinden. Diesen wandeln sie in Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen und die Zähne kaputt machen.

Pflegekaugummi für zwischendurch

Das eingangs erwähnte zweimalige Zähneputzen pro Tag soll an dieser Stelle nochmals hervorgehoben werden, denn es spielt eine Schlüsselrolle: Damit soll der Bakterienfilm entfernt werden. Ob man hierfür lieber zur Hand- oder elektrischen Bürste greift, ist laut Leitlinie nicht maßgeblich. Das kann man ganz nach den persönlichen Vorlieben machen, Hauptsache: Man macht es! Zwei Minuten sollte man mindestens pro Putzgang aufwenden, und weil Speisereste sowie Bakterienbelag damit allein nicht komplett zu beseitigen sind, sind Zahnseide und Zahnzwischenraumbürstchen zusätzlich wichtig. „Außerdem sind – zuckerfreie! – Kaugummis ein einfaches, aber bewährtes Mittel für zwischendurch“, sagt die Zahnärztin. „Schließlich hat man ja nicht ständig eine Zahnbürste bei sich, wenn man unterwegs ist. Diese Pflegekaugummis helfen nach einer Mahlzeit, reichlich Speichel zu produzieren, der für die Säuberung der Zähne und zur Neutralisation der Säure benötigt wird.“

Last but not least ist für viele die Professionelle Zahnreinigung (PZR) empfehlenswert: je nach Risikoeinschätzung des Zahnarztes ein- bis vier Mal pro Jahr als Ergänzung zur täglichen persönlichen Mundhygiene. Die speziell ausgebildeten Assistentinnen in den Zahnarztpraxen kommen mit ihren Instrumenten an wirklich jede Stelle, die man selbst bei gewissenhaftem und gründlichem Zähneputzen nicht erreicht. Sylvia Schmidt

Kernpunkte auf einen Blick

Tägliche Kariesprophylaxe zu Hause:
- 2x täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta Zähne putzen
- Zuckeraufnahme möglichst gering halten
- Nach Mahlzeiten Speichelstimulation durch zuckerfreien Kaugummi

In Abstimmung mit dem Zahnarzt:
- Prophylaxeprogramme wahrnehmen
- Weitere Fluoridierungsmaßnahmen
- Bei Bedarf: Chlorhexidin-Lack mit mindestens 1% CHX anwenden
- Versiegelung kariesgefährdeter Fissuren