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Sonderveröffentlichung
23.06.2017

Pflegeausbildungsreform: Debatte geht weiter

Seit mehr als zehn Jahren wird über die Reform der Pflegeausbildung diskutiert. Nun deutet sich ein politischer Endspurt an.

Viele Pflegeeinrichtungen suchen personelle Verstärkung. Die Reform der Ausbildung soll dabei helfen. Foto: Archiv/dpa
Viele Pflegeeinrichtungen suchen personelle Verstärkung. Die Reform der Ausbildung soll dabei helfen. Foto: Archiv/dpa
Die Menschen werden immer älter, es ist also keine Überraschung, dass der Bedarf an Pflegekräften in Deutschland weiter steigen wird. Mit Blick auf den bereits heute bestehenden Fachkräftemangel soll die Reform der Pflegeausbildung helfen, mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen. Doch die Debatte um die Reform dauert bereits mehr als zehn Jahre an.

Grundsätzlich sollten die drei bisher getrennten Ausbildungswege für Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger und Altenpfleger zusammengeführt werden. Doch das stieß auf Kritik, insbesondere die jeweils betroffenen Fachrichtungen bemängelten, dass man die Aufgaben einer Kinderkrankenschwester nicht mit denen einer Altenpflegekraft vergleichen könne. Dazu wurde von der Großen Koalition nun ein erneuter Vorschlag gemacht, den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in einem Interview mit der Magdeburger Volksstimme erläuterte: „Der erzielte Kompromiss sieht nun so aus, dass sich die Auszubildenden entscheiden können, zwischen einem einheitlichen Abschluss zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann mit einer Vertiefung – etwa in der Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege – und einem Abschluss als Alten- oder Kinderkrankenpfleger.“ Aber auch dieser Kompromissentwurf wird nun dieser Tage im Bundestag weiter diskutiert (Termin 22. Juni; Redaktionsschluss dieser Beilage: 16. Juni). Der Reformentwurf sieht zudem vor, dass das Schulgeld in der Altenpflege abgeschafft wird. „Es kann nicht sein, dass Auszubildende in einem Mangelberuf auch noch Geld bezahlen müssen“, so Gröhe.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) reagierte auf den Kompromiss zurückhaltend. Man unterstreiche die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Pflegeausbildung in Deutschland, so der Verband in einer Pressemitteilung. „Allerdings ist es kurz vor Torschluss, und einige der vorliegenden Eckpunkte für den Kompromiss erfüllen uns mit großer Sorge.“ Insbesondere die Überlegung, eine nach zwei Jahren Ausbildung abgebrochene Ausbildung als Assistenzausbildung anzuerkennen zeige, zu welch geringem Grad Sachgründe eine Rolle spielten. „Eine solche Option lehnen wir ab, da sie zu einer Deprofessionalisierung des Pflegeberufes führt.“ ih

Zahlen zur Pflege in Sachsen

Foto: fotolia
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- Die Zahl der Pflegebedürftigen in Sachsen steigt stetig: Am Jahresende 2015 waren es 166 792 Personen, 2001 vermeldete die Statistik 118 918 Betroffene.

- Seit 2009 hat sich der Anteil der Pflegebedürftigen in vollstationärer Pflege stetig leicht verringert. Dagegen ist der Anteil der Pflegebedürftigen mit einer Kombination aus Angehörigen- und professioneller Pflege immer weiter angestiegen.

- Die Zahl der stationären Pflegeeinrichtungen in Sachsen wuchs von 499 im Jahr 2001 auf 885 Einrichtungen im Jahr 2015. Die verfügbaren Plätze stiegen von 36 154 auf 55 266. Die Zahl der Beschäftigten wuchs von 20 732 auf 38 504.

- Im ambulanten Bereich stieg die Zahl der Pflegedienste von 879 im Jahr 2001 auf 1 068 im Jahr 2015. Die Anzahl der Beschäftigten in diesem Segment verdoppelte sich dabei von 12 050 auf 24 201. ih

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen

www.statistik.sachsen.de