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Sonderveröffentlichung
24.06.2017

So funktioniert die Pflegezeit

Beruf und Pflege miteinander vereinbaren – das geht. Für die Pflege eines nahen Angehörigen können sich Beschäftigte ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Was es zu beachten gibt:

Sind Angehörige für längere Zeit pflegebedürftig, können Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren. Foto: Fotolia © Robert Kneschke
Sind Angehörige für längere Zeit pflegebedürftig, können Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren. 

Foto: Fotolia © Robert Kneschke
Für die meisten Arbeitnehmer ist der Alltag straff durchorganisiert. Doch dann passiert etwas Unerwartetes: Ein naher Angehöriger erleidet einen Schlaganfall und wird zum Pflegefall. Jemand aus der Familie muss von jetzt auf gleich trotz Berufstätigkeit Hilfe organisieren oder eben selbst dem Pflegebedürftigen zur Seite stehen.

Muss man gleich nach dem Ereignis wieder zur Arbeit?

Wird ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall, kann sich ein Arbeitnehmer einmalig bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen lassen. In der Zeit kann er sich entweder nach einer Pflegekraft umsehen und sie engagieren oder aber sich selbst um die Pflege des Bedürftigen kümmern. „Dieses Recht auf Freistellung hat jeder Beschäftigte, unabhängig von der Größe des Unternehmens, bei dem er oder sie tätig ist“, sagt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums in Berlin. Während der zehn Tage ist der Arbeitnehmer weiterhin kranken- und rentenversichert sowie gegen Arbeitslosigkeit versichert. Da er für die Zeit keinen Lohn oder kein Gehalt bekommt, hat er Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Es muss bei der Pflegekasse des pflegebedürftigen Angehörigen beantragt werden.

Wie lange kann ein Arbeitnehmer insgesamt freinehmen?

Warten auf Besuch: Wenn Eltern pflegerische Unterstützung brauchen, können berufstätige Angehörige eine Pflegezeit beantragen. Foto: fotolia/ Dmitry Berkut
Warten auf Besuch: Wenn Eltern pflegerische Unterstützung brauchen, können berufstätige Angehörige eine Pflegezeit beantragen. Foto: fotolia/ Dmitry Berkut
Wer einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen selbst zu Hause pflegen möchte, kann bis zu sechs Monate unbezahlt seine Arbeitszeit reduzieren oder auch ganz aus dem Job aussteigen. So sieht es das Pflegezeitgesetz vor. „Einen solchen Anspruch haben aber nur jene, die in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten tätig sind“, erklärt Cornelia Jurrmann vom Sozialverband VdK Deutschland. Der Pflegebedürftige muss zudem mindestens in Pflegegrad eins eingestuft sein. Um die Pflegezeit zu finanzieren, können Arbeitnehmer ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen. Wer einen nahen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase begleiten möchte, kann sich nach dem Pflegezeitgesetz bis zu drei Monate vollständig oder teilweise von seinem Arbeitgeber freistellen lassen – auch, wenn der Pflegebedürftige in einem Krankenhaus oder in einem Hospiz versorgt wird.

Zu den nahen Angehörigen zählen laut Pflegezeitgesetz: Großeltern, Eltern, Schwiegereltern und Stiefeltern. Hinzu kommen Ehegatten, Lebenspartner, Partner einer eheähnlichen oder lebenspartnerschaftsähnlichen Gemeinschaft, Geschwister, Lebenspartner der Geschwister und Geschwister der Lebenspartner. Der Begriff umfasst außerdem Kinder, Adoptiv- und Pflegekinder sowie Schwiegertöchter, Schwiegersöhne und Enkelkinder.

Und was, wenn jemand länger gepflegt werden muss?

Ist ein Angehöriger für längere Zeit pflegebedürftig, können Beschäftigte ihre Arbeitszeit bis zu 24 Monate reduzieren, müssen aber mindestens 15 Stunden pro Woche weiter arbeiten. Sie bekommen dann auch entsprechend weniger Lohn oder Gehalt. Dieses Modell nennt sich Familienpflegezeit. Voraussetzung ist, dass der Beschäftigte in einem Betrieb mit mehr als 25 Arbeitnehmern tätig ist. Ebenso wie bei der Pflegezeit kann der Beschäftigte die Familienpflegezeit über ein zinsloses Darlehen finanzieren.

„Wird vor der Familienpflegezeit noch eine Pflegezeit in Anspruch genommen, darf die Kombination eine Gesamtdauer von zwei Jahren nicht überschreiten“, sagt Verena Querling. Sie ist Referentin im Bereich des Pflegerechts bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf. Von dem Zeitpunkt der Ankündigung, eine Auszeit nehmen zu wollen, bis zum Ende der Familienpflegezeit oder der Pflegezeit darf der Arbeitgeber dem Beschäftigten nicht kündigen.

Was ist beim Antrag zu beachten?

Spätestens acht Wochen vor dem gewünschten Beginn muss der Beschäftigte den Arbeitgeber schriftlich darüber informieren, dass er Familienpflegezeit beanspruchen möchte. Von wann bis wann genau er oder sie Pflegezeit nimmt, muss zehn Arbeitstage vor Beginn der Auszeit angekündigt werden, erklärt die Ministeriumssprecherin. Der Beschäftigte muss mitteilen, um wie viele Stunden die Arbeitszeit reduziert werden soll. „Dabei ist auch anzugeben, an welchen Tagen der Arbeitnehmer wie viele Stunden arbeiten möchte“, sagt Querling. Dem Schreiben muss der Pflegegrad-Bescheid des Angehörigen beiliegen. Wer keinen rechtlichen Anspruch auf Pflegezeit oder Familienpflegezeit hat, sollte sich rechtzeitig mit dem Arbeitgeber zusammensetzen und nach einer Lösung für die Pflege des Angehörigen suchen, rät Querling.

Welche Vorteile hat die Pflegezeit für den betroffenen Angehörigen? „Für den Pflegebedürftigen ist das oft angenehmer, als in einem Heim von Fremden betreut zu werden“, sagt Jurrmann. Er oder sie bleibt in der gewohnten Umgebung und behält den vertrauten Kontakt zu Angehörigen und Nachbarn. „Das ist für alle gut.“ Sabine Meuter, dpa

Hier gehören Erlebnisse zum Alltag

Das Seniorenzentrum Am Stadtpark achtet auf Freizeitangebote, die in Erinnerung bleiben.

Foto: Seniorenzentrum „Am Stadtpark“
Foto: Seniorenzentrum „Am Stadtpark“
Als sich die Türen der historischen Straßenbahn schließen und die Fahrt quer durch die Neißestadt beginnt, sind die Mitfahrer aufgeregt. Vor allem eine Görlitzerin freut sich ganz besonders. Schließlich war sie viele Jahre lang selbst Straßenbahnfahrerin, stand hinter dem Fahrerpult und bediente die zahlreichen Hebel und Knöpfe. „Sie wusste auch immer noch, wie es geht“, freut sich Bergit Kahl. Die Inhaberin des Seniorenzentrums Am Stadtpark legt großen Wert darauf, den Bewohnern Erlebnisse zu ermöglichen, die in Erinnerung bleiben. „Wir waren auch schon mit einigen Männern bei einem Spiel von Dynamo Dresden. Denn Abwechslung ist in jedem Alter ganz wichtig.“ Und dafür sorgen die Mitarbeiter des Seniorenzentrums Tag für Tag. Zweimal täglich in der Woche und jeweils einmal am Sonnabend und Sonntag findet in der Ergotherapie ein wechselndes Angebot statt. Die Bewohner können sich dort miteinander austauschen, spielen, singen oder kreativ werden.

Zusammen ist man weniger allein

Darüber hinaus gibt es immer am ersten Montag im Monat einen Seniorennachmittag. „Der ist in erster Linie für Senioren und Seniorinnen der Stadt gedacht“, erklärt Bergit Kahl. „Jeder, der Lust und Zeit hat, ist willkommen.“ Dieser Nachmittag steht immer unter einem bestimmten Thema. Mal geht es um Tee, mal um Schokolade. Die Themenwahl richtet sich nach den Wünschen der Gäste. Am 3. Juli dreht sich alles um die wohl leckerste und sicher auch kälteste Versuchung: Eis. Das gibt es aber nicht etwa in einer schnöden Waffel, sondern in einem Eisbecher, verziert mit Früchten oder bunten Streuseln. So gut das Eis an einem warmen Sommertag auch schmecken mag, das Wichtigste an solchen Nachmittagen ist wohl trotzdem der Austausch der Besucher untereinander, aber auch mit den Bewohnern, die gern an diesem Nachmittag teilnehmen können. „Viele Menschen vereinsamen im Alter. Dem wollen wir entgegenwirken. Sie fühlen sich gleich viel wohler, wenn sie sich unterhalten können und wissen, dass ihnen jemand zuhört“, bestätigt Bergit Kahl. Für das gewisse Extra im Veranstaltungskalender sorgt die Reihe „Kultur im Denkmal“. Alle Bürger der Stadt und darüber hinaus sind eingeladen, bekannte Künstler in der besonderen Atmosphäre des historischen Jugendstilsaals zu genießen.

Kompetenz in der Pflege

Bei all den Freizeitangeboten verliert das Seniorenzentrum jedoch nicht das Wichtigste aus den Augen: die kompetente und umfassende Betreuung ihrer Bewohner in der stationären Pflege, in der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege und der Gäste der Tagespflege. Letztere wurde erst im Februar dieses Jahres eröffnet. Lediglich zwölf Plätze bietet das Haus an. „Das garantiert eine sehr individuelle und persönliche Betreuung und Tagesgestaltung. Jeder soll sich rundum wohlfühlen und gern zu uns kommen“, erklärt Bergit Kahl.

Therapie- und Pflegezentrum Westlausitz GmbH