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Sonderveröffentlichung
03.09.2017

Verletzungen des oberen Sprunggelenks

Ein sogenanntes Distorsionstrauma entsteht zumeist beim Sport und ist schmerzhaft, kann jedoch in der Regel mit konservativen Methoden kuriert werden.

Sowohl beim Sport als auch im Alltag kann man schnell mal mit dem Fuß umknicken, worauf das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Foto: www.fotolia.com © BlueSkyImages
Sowohl beim Sport als auch im Alltag kann man schnell mal mit dem Fuß umknicken, worauf das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Foto: www.fotolia.com © BlueSkyImages
Wenn man beim Sport plötzlich mit dem Fuß umknickt und es daraufhin zu einer Schwellung und Blutergussbildung am Knöchel kommt, hat man die häufigste Sportverletzung des Menschen erlitten: ein Distorsionstrauma des Sprunggelenkes. Hierbei knickt der Fuß entweder nach innen (Supinationstrauma) oder nach außen (Pronationstrauma). Dabei ist das Supinationstrauma wesentlich häufiger. Dies ist bedingt durch die Anatomie der Sprunggelenksgabel und die Bewegungsabläufe beim Sport.

Kühlen, hochlagern und schonen – die Therapie ist langwierig


Beim Supinationstrauma kommt es zu einer Überlastung des Außenbandapparates. Dieser kann überdehnt werden beziehungsweise teilweise oder ganz reißen. Kurz nach dem Unfall ist es aufgrund der Schwellung und starken Schmerzen nahezu unmöglich, eine Überdehnung von einem Riss zu unterscheiden. Für die weitere Therapie ist es auch unerheblich, ob das Band nur gedehnt oder gerissen ist. Es sollten lediglich durch Röntgen und Ultraschall Frakturen oder Verletzungen der vorderen Syndesmose (kräftige Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein) ausgeschlossen werden, da diese einer anderen Therapie bedürfen. Ansonsten wird zunächst immer konservativ therapiert. Dies erfolgt in der ersten Phase durch Hochlagerung, Kühlung, Schonung, Kompressionsverband und Sprunggelenksorthese. Ziel sind eine Ruhigstellung des Sprunggelenkes, eine Beruhigung des Gewebes und eine Schmerzreduktion. Dies dauert etwa vier bis sechs Wochen. Danach erfolgt eine frühfunktionelle Therapie mit Physiotherapie und hier insbesondere propriozeptives Training. Dadurch wird die gelenkstabilisierende Muskulatur gekräftigt sowie die Neuausrichtung des Bandes und die Neubildung von Tiefenrezeptoren gefördert. Dies dauert mehrere Monate. Sportliche Aktivitäten können circa drei Monate nach dem Unfall wieder aufgenommen werden.

Eine Operation ist nur in seltenen Fällen notwendig

Eine operative Therapie kommt nur bei bleibender Instabilität, erkennbar durch wiederholtes Umknicken und Unsicherheit beim Laufen auf unebenem Gelände, zur Anwendung. Hierbei kann unterstützend ein MRT hinzugezogen werden. Hauptaugenmerk liegt jedoch auf der Anamnese und der klinischen Untersuchung. An operativen Verfahren werden das Band wiederherstellende oder das Band ersetzende Verfahren durchgeführt.

Um erneuten Distorsionstraumata vorzubeugen, sind der Sportart angepasstes Schuhwerk (knöchelhoch), Bandagen, Taperverbände und insbesondere regelmäßiges propriozeptives Training zu empfehlen. Insgesamt handelt es sich beim Distorsionstrauma um eine Verletzung, welche in der überwiegenden Anzahl der Fälle gut konservativ mit vollständiger Ausheilung behandelt werden kann, sofern am Anfang der Behandlung die Weichen richtig gestellt werden.

Autor des Beitrages: Dr. med. Matthias Hellmuth, FA für Orthopädie und Unfallchirurgie am Orthopädischen Zentrum, Martin-Ulbrich-Haus Rothenburg gGmbH

Tipps für Freizeitsportler

Zu einer Verletzung des Sprunggelenks kommt es oftmals beim Sport, insbesondere beim Laufen und Springen. Aber auch im Alltag kann man sich schnell mal verletzen - hier sind vor allem die Damen betroffen. Denn das Gehen auf sehr hohen Absätzen stellt dafür ein besonderes Risiko dar.

Einer Verletzung des Sprunggelenks kann man nicht hundertprozentig vorbeugen. Aber man kann durchaus die Wahrscheinlichkeit, dass man mit dem Fuß umknickt, reduzieren. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen ist ein gutes Training der Schienbeinmuskulatur. Ein gründliches Aufwärmen, bevor man mit dem Sport beginnt, dehnt die Wadenmuskulatur und vermindert so die Verletzungsgefahr. Darüber hinaus bieten auch spezielle Sportschuhe einen gewissen Schutz. Wer bereits eine Bandverletzung hinter sich hat, sollte beim Training zur Vorbeugung stützende Bandagen tragen. Gegebenenfalls sollte man auch den eigenen Laufstil von einem ausgebildeten Trainer überprüfen und eventuell korrigieren lassen.

Hilfreich ist zudem eine spezielle Übungsbehandlung unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten. Dieser lässt den Betroffenen verschiedene Übungen ausführen und hilft, wichtige Bewegungsmuster zu automatisieren, die wiederum die Gelenke stabilisieren.