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Sonderveröffentlichung
24.06.2017

Weniger Kalorien, mehr Nährstoffe

Dass sich der Körper im Alter verändert, ist offensichtlich. Auch die Gewohnheiten sind oft andere. Sollte man dann eigentlich genauso essen wie früher? Fragen und Antworten zur optimalen Ernährung im Alter.

Mindestens 1,5 Liter sollten Ältere an einem Tag trinken – das Tässchen Tee oder Kaffee wird mitgezählt. Foto: pixabay
Mindestens 1,5 Liter sollten Ältere an einem Tag trinken – das Tässchen Tee oder Kaffee wird mitgezählt. Foto: pixabay
Im Alter verändert sich der Körper nicht nur äußerlich, auch der Stoffwechsel wird langsamer, und der Körper verliert Muskel- und Knochenmasse. Die Essgewohnheiten sollte man dem anpassen. Sonst drohen Übergewicht oder Mangelernährung. Wie viel und was jemand essen sollte, hängt allerdings weniger vom Alter ab als davon, wie aktiv er ist. Pauschale Regeln ließen sich deshalb nicht aufstellen, erklärt Ulrike Grohmann, Oekotrophologin und spezialisiert auf Seniorenernährung. Wer sich sein ganzes Leben lang ausgewogen ernährt, für den ändert sich im Alter wenig. Ein paar Dinge sollte man aber beachten.

Wie sieht eine gesunde Ernährung überhaupt aus?

Jeder sollte sich vielfältig ernähren. Am besten zieht man Vollkornprodukte denen aus Weißmehl vor, isst zwei Mal pro Woche Fisch oder Fleisch und fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Dabei stets verschiedene Farben berücksichtigen, dann erhält man einen Mix an Nährstoffen. „Anlass für eine Ernährungsänderung sollten Übergewicht, aber auch Mangelernährung sein, genauso wie Krankheiten, die die körperliche Fitness verändern“, sagt Margret Morlo, Diätassistentin beim Verband für Ernährung und Diätetik (VFED).

Braucht der Körper im Alter weniger Energie?

Der Körper verliert etwa ab dem 50. Lebensjahr ein bis zwei Prozent an Muskelmasse pro Jahr. Damit sinkt der tägliche Grundumsatz eines Mannes von über 65 Jahren um ungefähr 300 Kilokalorien im Vergleich zu einem 25-Jährigen. Das entspricht in etwa der Energie von drei Bananen am Tag. „Da sich ältere Menschen auch weniger bewegen, kann der tägliche Energiebedarf insgesamt um bis zu 600 Kilokalorien verringert sein“, sagt Ulrike Grohmann. Wer dann seine gewohnte Ernährung beibehält, wird langfristig an Gewicht zunehmen. „Andererseits benötigt der Körper die gleiche Menge Vitamine und Mineralien. Es sollten daher besonders nährstoffdichte Lebensmittel gegessen werden“, rät Grohmann – also Lebensmittel, die im Verhältnis zur Energiemenge besonders viele Vitamine und Mineralien enthalten. Das gilt beispielsweise für ein Vollkornbrot im Vergleich zu einem Toast, genauso wie für eine Avocado verglichen mit einer Salatgurke.

Nachlassende Fähigkeiten – was nun?

Guten Appetit: Im Alter verringert sich der Energiebedarf, aber der Körper benötigt die gleiche Menge Vitamine und Mineralien. Daher sollten besonders nährstoffdichte Lebensmittel gegessen werden. Foto: pixabay
Guten Appetit: Im Alter verringert sich der Energiebedarf, aber der Körper benötigt die gleiche Menge Vitamine und Mineralien. Daher sollten besonders nährstoffdichte Lebensmittel gegessen werden. Foto: pixabay
Solange sich ältere Menschen selbst versorgen können, sollten sie dies auch tun. „Wer sich selbst immer nur kleine Mengen einkauft, der hat weniger schwer zu tragen und regelmäßig ein bisschen Bewegung“, sagt Ricarda Holtorf, Oekotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wenn die Fingerfertigkeiten oder das Kauvermögen nachlassen, kann man sich mit Küchenmaschinen helfen, die das Essen maschinell vorbereiten. „Es ist jedoch nicht ratsam, alles zu pürieren, das sieht nicht appetitlich aus“, sagt Margret Morlo vom VFED. Manchmal helfe es auch schon, die Brille anzupassen, wenn jemand nicht gut sieht, oder das Gebiss überprüfen zu lassen. Wer trotzdem grobkörnige Vollkornprodukte meidet, dem rät Morlo: „Viele Bäckereien bieten auch Brot aus feinem Vollkornmehl an. Einfach mal nachfragen“. Und auch Müsli muss nicht hart und körnig sein: „Feine Schmelzflocken sind auch aus dem vollen Korn und können eine Alternative sein“, sagt Holtorf.

Wie erkennt man Mangelernährung?

„Während für jüngere Senioren Übergewicht eher ein Thema ist, sind es mit zunehmendem Pflegebedarf Untergewicht und Mangelernährung“, sagt Holtorf. Das kann auch Normal- und Übergewichtige betreffen. Sie haben zwar ein normales oder erhöhtes Körpergewicht, sind aber trotzdem nicht mit genügend Nährstoffen versorgt. Mit einem veränderten Stoffwechsel entleert sich auch der Magen langsamer. Gerade sehr alte Menschen sind deshalb schnell satt. Sie sollten häufig kleinere Portionen essen. „Bei unterernährten Menschen ist hochwertiges Pflanzenöl oder Nussmus eine gute Option, beides ist energie- und nährstoffreich“, empfiehlt Holtorf. Zudem solle man Älteren genügend Zeit zum Essen geben.

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Bei einer ausgewogenen Ernährung sind Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig. „Es ist nicht ratsam, einfach vorbeugend ein Präparat zu schlucken, denn zu viel kann auch schädlich sein“, warnt Morlo. Nur eine Blutuntersuchung beim Arzt kann zeigen, ob es dem Körper an etwas mangelt. „Regelmäßig überprüfen lassen sollten ältere Menschen das Vitamin D, da es mit Calcium für gesunde Knochen verantwortlich ist“, sagt Grohmann. Da die Vorstufe zu Vitamin D vom Körper in der Sonne zum eigentlichen Vitamin umgewandelt wird, ist es auch wichtig, möglichst täglich nach draußen zu gehen.

Ausreichend trinken – wie schafft man das?

Auch ältere Menschen sollten mindestens eineinhalb Liter am Tag trinken, Tee und Kaffee eingeschlossen. „Manchmal hilft es, sich jeden Morgen die komplette Trinkmenge bereitzustellen, die man über den Tag trinken sollte. So hat man einen besseren Überblick“, rät Holtorf. Das kann insbesondere hilfreich sein, wenn jemand vergesslich ist... Mira Fricke, dpa

Gesunde Zähne im Alter

Erkrankungen der Zähne und der Mundhöhle können das Risiko für Folgeerkrankungen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wenn Bakterien aus dem Mund in den Blutkreislauf gelangen. Gesunde Zähne und gut sitzende Prothesen sind hingegen die Grundlage für eine problemlose und schmerzfreie Nahrungsaufnahme. Kann die Zahnpflege nicht mehr allein durchgeführt werden, gehört die tägliche Mund- und Zahnhygiene zum festen Bestandteil im pflegerischen Alltag. Dabei sollte die Zahnpflege mit Ritualen verbunden werden, um Vertrauen zu schaffen und Ängste vor der Zahnreinigung zu nehmen, empfiehlt das Zentrum für Qualität in der Pflege in der Broschüre „Mundgesundheit“. So sollten beispielsweise die gewohnte Zahnpasta oder Mundspülung verwendet werden. Die einzelnen Schritte sollten immer nach dem gleichen Muster durchgeführt und erläutert werden. Die Einnahme bestimmter Medikamente kann sich negativ auf die Mundgesundheit auswirken. Das sollte mit dem behandelnden Zahnarzt abgestimmt werden. ih

Die Broschüre „Mundgesundheit – Praxishinweise für den Pflegealltag“ kann kostenlos heruntergeladen werden unter

www.zqp.de/ratgeber

Auch ohne Durst genug trinken

Foto: fotolia
Foto: fotolia
Ohne Durst fehlt vielen älteren Menschen das wichtigste Signal zum Trinken – mit ein paar Tricks klappt es trotzdem. Das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ empfiehlt, sich per TrinkApp auf dem Smartphone oder via E-Mail-Service des Forums Trinkwasser (unter www.trinkberater.de) erinnern zu lassen. Hilfreich ist auch, Gewohnheiten aufzubauen – beispielsweise ein Glas Wasser nach dem Aufstehen, eine Saftschorle um zehn oder ein „Fünf-Uhr-Tee“. Da viele nicht wissen, wie viel sie schon getrunken haben, rät Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, sich gleich morgens die Tagesration bereitzustellen: „Am besten an zentraler Stelle, etwa neben dem Kühlschrank, am Lieblingssessel oder am Fernseher.“ Wichtig ist, die Trinkmenge gleichmäßig über den Tag zu verteilen. (pm)

www.trinkberater.de

Hand in Hand für ein selbstbestimmtes Leben

Foto: Stefan Schumann
Foto: Stefan Schumann
In der Mitte des hellen Raumes stehen zwei Torten. Ein Teil ist schon auf Teller verteilt worden. Die 100 aus Zuckerglasur ist kaum noch zu erkennen. Die Gäste schauen gebannt auf Familie Dach, die ein Gedicht vorträgt. Die Augen des Geburtstagskindes strahlen vor Freude, nicht nur über das Festprogramm. Sie freut sich vor allem darüber, dass sie im Pflegestift Görlitz-Rauschwalde wieder ein herzliches Zuhause gefunden hat. Einen Ort, an dem sie individuell betreut wird, an den sie sich zurückziehen kann und dennoch nie allein sein muss. „Wir legen Wert darauf, dass unsere Bewohner ihre Freiräume haben“, erklärt Kathrin Nachtigall. „Gleichzeitig schaffen wir Angebote für jene, die gerne etwas unternehmen.“ Tatsächlich ist hier immer etwas los. Donnerstags wird Skat gespielt und freitags ziehen beim musikalischen Nachmittag wohlklingende Melodien durch das Haus. Jeden letzten Freitag im Monat findet ein Tanztee statt. Dann werden die Hüften im Takt geschwungen.

An den Veranstaltungen kann jeder teilnehmen. Oft dabei sind ehrenamtliche Helfer. „Wir sind ihnen für ihre Verlässlichkeit und ihr Engagement so dankbar. Meist handelt es sich um Angehörige ehemaliger Bewohner, die mit dem Haus verbunden bleiben möchten. Sie stärken die familiäre Atmosphäre, die den Pflegestift besonders macht“, so die Hausleiterin.

Auch unverzichtbar ist der Koch, Hans-Jörg Kassner. Täglich bereitet er leckere Speisen aus frischen Zutaten zu. Das wissen nicht nur Bewohner und Mitarbeiter zu schätzen, sondern auch umliegende Firmen, die sich beliefern lassen, sowie Unternehmen und Privatpersonen, die bei ihm das Catering für ihre Feiern bestellen.

Mit dem Dienst „Essen auf Rädern“ werden die Mahlzeiten auch ausgefahren. „Viele nehmen ebenfalls unseren diakonisch ambulanten Pflegedienst - DAD - in Anspruch“, ergänzt Kathrin Nachtigall. Seit zwei Jahren bietet der Pflegestift diesen Service an. Aus anfänglich zwei Pflegefachkräften und zwei Alltagsbetreuern sind sieben Fachkräfte und vier Pflegehilfskräfte geworden. Dennoch hält der Dienst an seiner Philosophie fest, wie Pflegedienstleiterin Linda Göhlich bestätigt: „Jeder von uns hat feste Touren, die wir nur bei Krankheit oder Urlaub wechseln. Nur, wenn sich immer dieselben Mitarbeiter um die pflegebedürftigen Menschen kümmern, können diese Vertrauen und eine persönliche Beziehung aufbauen. Erst wenn das geschieht, fühlen sie sich wirklich wohl und das ist unser Ziel.“ Daneben zählt natürlich auch der fachliche Aspekt. Regelmäßig werden die Mitarbeiter geschult, um ihre Patienten optimal betreuen zu können. Die Verbindung aus Menschlichkeit und der Qualität der angebotenen Leistungen, wie der Grund- und Behandlungspflege sowie der hauswirtschaftlichen Leistungen, ist der Grund dafür, dass sich der ambulante Dienst in kurzer Zeit in Görlitz fest etablieren und so gut entwickeln konnte. Und so ist es nicht auszuschließen, dass künftig noch weitere von den kleinen weißen DAD-Autos mit den auffälligen violetten Vordertüren durch die Stadt fahren.